Zweifacher Echo-Klassik-Preisträger Hardy Rittner spielte in der Stadthalle.

Bayer Kultur-Konzert : Unruhige Stimmung trübt Genuss des Klavierkonzerts

Zweifacher Echo-Klassik-Preisträger Hardy Rittner spielte in der Stadthalle.

Manchmal kommen Künstler und Publikum einfach nicht überein. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Bayer Kultur“ gastierte der zweifache Echo-Klassik-Preisträger Hardy Rittner am Montagabend mit einem ungewöhnlichen Klavierprogramm in der Historischen Stadthalle. Es sollte ein Abend voller Unruhe werden – leider jedoch nicht nur musikalischer, sondern auch störender Natur durch das Publikum, mit dem während des gesamten Konzerts keine rechte Kommunikation zustande kam.

Ohne Umschweife eröffnete Rittner mit Ferruccio Busonis „Fantasia“ nach Johann Sebastian Bach – eine der zahlreichen Bearbeitungen von Bachs Werken, die dieser 1909 anfertigte. Ein gelungener Auftakt, gleicht der Beginn des Stücks doch einer Improvisation, bevor es seine klar erkennbare Form aufnimmt. Besonderes Highlight des Konzerts war der erst 2012 veröffentlichte „Nachtstücke“-Zyklus Christopher Tarnows, eines regelmäßigen Wegbegleiters Rittners, dessen Stücke mal einen melancholischen, mal einen wirren, beinahe albtraumhaften Charakter innehaben: Melodieansätze finden sich, um sich gleich wieder in einem bedrohlichen Klangteppich zu verflüchtigen. Vor allem in den heftigen, temporeichen Passagen schlug Rittner die Tasten mit einem derartigen Nachdruck an, dass es beinahe willkürlich erschien, welche er dabei traf. Und doch blieb sein Spiel stets kontrolliert und auch bei geringer Lautstärke extrem intensiv.

Busonis Variationen über Chopins c-Moll Prélude aus der Sammlung op. 28 folgten darauf leider etwas zu schnell, so dass dem weniger geschulten Zuhörer wenig Gelegenheit blieb, das Fortschreiten des Programms zu verfolgen und die Leistung des Pianisten zwischen den Werken angemessen zu würdigen.

Nach der Pause kamen einige Werke Frédéric Chopins noch in originaler Form zur Aufführung: eine Auswahl aus den „Nocturnes“ und die „Barcarolle“. Hier stellte Rittner einmal mehr seinen schlichten Stil unter Beweis, wie man ihn auch Busoni nachsagte: Während zahlreiche Pianisten Chopins Werke in hohem Maß „rubato“, also mit verzierenden Tondehnungen und -verkürzungen, interpretieren, blieb Rittners Spiel reduziert und wenig lyrisch, aber ebenso eindringlich wie zuvor.

Künstler und Publikum finden nicht zueinander

Auch hierbei waren die Pausen zwischen den Werkteilen und den verschiedenen Werken kaum zu unterscheiden, was dazu führte, dass der Beifall im zweiten Teil gänzlich ausblieb. Doch damit nicht genug: Im leider nur mäßig besuchten Mendelssohn-Saal herrschte eine unkonzentrierte Atmosphäre, die sich in stetigem Flüstern niederschlug, im Fotografieren mit Blitz bis hin zu gelegentlichem Schnarchen aus den hinteren Reihen. Kein Wunder also, dass Hardy Rittner sich, als zum wiederholten Mal ein Handy klingelte, zum Publikum wandte und wartete, bis wieder Ruhe eingekehrt war und er sodann die ersten Töne der bekannten zweiten „Nocturne“ aus op. 9 anschlug.

Eine unangenehme Stimmung, die der hohen musikalischen Qualität des Konzerts nicht gerecht wurde. Als der Applaus nach dem eindeutigen Ende der wehmütigen „Barcarolle“ schließlich doch einsetzte, erklärte Rittner, er habe eigentlich eine Zugabe von Brahms spielen wollen. „Aber Brahms hat ja morgen Geburtstag und man soll nicht vor dem Abend gratulieren.“ Somit fiel seine Wahl auf ein Stück, das zumindest teilweise das Wetter widerspiegelte: Chopins Regentropfen-Prélude.

Eventuell hätte die eine oder andere persönliche Ansage dem Konzertabend gut getan. Vielleicht wäre es auch dankbarer gewesen, die melodischen „Nocturnes“ vor der Pause zu hören und die spannungsreichen „Nachtstücke“ danach, um das Publikum zum Ende des Konzerts noch einmal zu fesseln. Bedauerlicherweise aber fanden Publikum und Künstler nicht zueinander, denn musikalisch gesehen bereitete das Konzert großen Genuss.

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