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Kunststätte: Zukunft vorerst bis Mitte 2021 gesichert

Kunststätte : Zukunft vorerst bis Mitte 2021 gesichert

Kunsthalle Barmen: 2020 startet mit Anne Frank und anschließend Friedrich Engels. Neues Konzept kommt später.

Die Ausstellungsplanungen reichen bis Mitte 2021, die Zukunft danach ist (noch) offen. Fest steht, dass die Kunsthalle in Barmen nicht mehr unter der Regie des Von der Heydt-Museums gefahren wird. Während Kulturdezernent Matthias Nocke keinen Anlass für rasche Entscheidungen über die weitere Zukunft der fünf Räume in dem klassizistischen Prachtbau sieht, scharren andere mit den Hufen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, erklärt Frank Ifang. Der Vorsitzende der Bergischen Kunstgenossenschaft (BKG) hat großes Interesse an einer Bespielung der Kunsthalle.

Das Ausstellungsjahr 2020 beginnt am heutigen Dienstag, 7. Januar, mit Anne Frank. Die Schau „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ erzählt vom Leben des deutsch-jüdischen Mädchens, das 1929 in Frankfurt am Main geboren wurde, 1934 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten in die Niederlande floh, sich in einem Hinterhaus in Amsterdam versteckte, entdeckt und 1945 im KZ Bergen Belsen ermordet wurde. Annes Tagebuch, das der Vater veröffentlichte, machte ihr Schicksal weltweit bekannt. In der vom Anne Frank Zentrum und vom Anne Frank Haus entwickelten Schau wird ihre Geschichte und die ihrer Zeit bis zum 30. Januar in Barmen lebendig.

Ihr folgt ein Highlight des Engelsjahres 2020 zu Ehren des Revolutionärs, der am 28. November 1820 in Barmen geboren wurde. Am 29. März wird die Sonderausstellung „Friedrich Engels - Ein Gespenst geht um in Europa“ des Historischen Zentrums eröffnet. Der Titel lehnt sich an das von Marx und Engels verfasste Kommunistische Manifest an, die Schau zeigt Engels aber von vielen Seiten: den Unternehmer, Philosophen und Sozialkritiker, Schriftsteller und Journalisten, Revolutionär und Visionär, den pflichtbewussten Sohn, treuen und großzügigen Freund und geselligen Gastgeber. Zu sehen sind originale Handschriften, Karikaturen und Manuskripte, persönliche Gegenstände und weitere Exponate, die den berühmten Sohn der Stadt näher bringen.

Auch danach mögen zwar Lücken entstehen, so Nocke, es stehen aber weitere Ausstellungen fest. Um die Jahreswende 2020/21 folge eine vom Wupperverband und dem Rathaus und Museum von Manchester City kuratierte Schau über die Bedeutung der Flüsse Wupper und Irk für die Industrialisierung. 2021 seien außerdem zwei Ausstellungen mit zwei Künstlern vorgesehen. Was die spätere auch konzeptionell zu bedenkende Zukunft der Ausstellungsräume angeht, kann sich Nocke „vieles vorstellen“, zumal er um etliche interessierte Partner weiß: „Uns eint der gemeinsame Wille, die Kunsthalle als kulturellen Ort an dieser Stelle zu erhalten und zu bespielen.“ Das Budget sei da, dennoch fehle es auf allen Seiten nach wie vor am nötigen Geld. „Wir richten uns in einer Interimssituation ein.“

Was sich freilich nach dem Willen der Grünen recht bald ändern soll. Bereits im Juni letzten Jahres hatten sie im Kulturausschuss eine Große Anfrage zur Kunsthalle gestellt, waren über zurückgehende Besucherzahlen (2016: 5200; 2017: 5100; 2018: 3800), finanzielle Nöte, Unterhaltskosten informiert worden. Seither ist nichts passiert, weshalb das Thema bei der nächsten Sitzung des Gremiums Anfang Februar auf die Tagesordnung kommen soll. Der Haushalt sei beschlossen, so Peter Vorsteher, dem die Räumlichkeiten auch persönlich am Herz liegen. „Wir haben mit der BKG, der BBK (Bundesverband Bildender Künstler Bergisch Land) und der Gedok (Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer Wuppertal) hervorragende Künstlervereinigungen, die dort ein gutes Zuhause finden könnten.“

Gutes Zuhause für die Künstlervereinigungen

Dabei wird ein Ausstellungsformat immer wieder genannt, das im letzten Jahr ein erfolgreiches Comeback feierte. Die Kunstausstellung Wuppertal 2019, die die unter Kulturdezernent Theodor Jüchter initiierte und unter Von der Heydt-Museumsdirektor Gerhard Finckh unterbrochene Leistungsschau heimischer Künstler wieder belebte und im Mai/Juni 18 Künstler präsentierte. Trotz positiver Bilanz ist eine Fortsetzung bislang nicht konkretisiert worden.

Dennoch ist die Stadt im Gespräch mit den lokalen Künstlervertretungen, wie Ifang für die BKG bestätigt. Die Genossenschaft hat historisch bedingt ein besonderes Interesse an der Kunsthalle, hatte sie doch durch Bilderverkäufe den Wiederaufbau des Daches nach dem Krieg ermöglicht und sich so ein Existenzrecht erworben. Das liegt seit ihrem, den verschärften Brandschutzvorschriften geschuldeten Umzug an die Hofaue auf Eis. An einer mit den Künstlervereinigungen betriebenen, städtischen Galerie in der Kunsthalle könnte sie sich nun (auch) mit der von der Stadt gezahlten Miete beteiligen. „Der Stadt wäre es lieb, wenn wir uns federführend einbringen, damit die Kunsthalle sinnvoll und hochkarätig bespielt wird“, weiß Ifang, nennt die Barmer Biennale, die 2002 zuletzt stattfand, als mögliches Format und weist auf die Bedeutung der BKG mit ihren Partnern in mehreren europäischen Städten hin.

Ein Arbeitskreis, der ein langfristiges inhaltliches Konzept erarbeiten soll, das auch eine verbesserte Vermarktung der Ausstellungen einbezieht, ist bislang nur angedacht. Ebenso seine Zusammensetzung mit kulturpolitischen und künstlerischen Vertretern.