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Zieht das Schauspiel in die Comödie?

Zieht das Schauspiel in die Comödie?

Auch wenn Schauspiel-Chef Christian von Treskow die Saison 2013/2014 zunächst ohne kleine Bühne plant, sucht er Alternativen.

Wuppertal. Zieht das Wuppertaler Schauspiel womöglich in die ehemalige Comödie am Karlsplatz? „Ja, wir erwägen das.“ Wie Schauspiel-Intendant Christian von Treskow im Kulturausschuss bestätigte, habe es einen Ortstermin in den Räumen des einstigen Privattheaters gegeben.

Beschlossen — gar unterschrieben — sei aber noch nichts. „Man darf nicht vergessen, dass es ein privater Eigentümer ist, der natürlich eine entsprechende Miete dafür haben möchte“, stellte von Treskow klar. So ist es derzeit nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein Gedankenspiel, hinter dem reale Raumnöte stecken: Dass das städtische Ensemble zumindest vorübergehend die Bühne des ehemaligen Boulevardtheaters nutzen könnte, „ist eine Option“, wie der Schauspiel-Chef in der Ausschusssitzung im Historischen Zentrum betonte.

Fakt ist: Wenn die aktuelle Ausnahmegenehmigung für die kleine Bühne im dringend sanierungsbedürftigen Schauspielhaus im Sommer 2013 ausläuft und sie daher geschlossen wird, ist die neue kleine Spielstätte, die bis Ende 2013/Anfang 2014 auf dem Hof des Historischen Zentrums entstehen soll, noch nicht eröffnet. In der Zwischenzeit wird dem Ensemble also ein wichtiges Forum fehlen. Diese Erkenntnis ist nicht neu — nun aber von neuen Zwischentönen begleitet.

Denn Tatsache ist auch: Den Erklärungen, die Christian von Treskow höflich, ruhig und sachlich im Ausschuss formulierte, war Entscheidendes vorausgegangen — ein Vorspiel sozusagen, das man getrost als Trauerspiel bezeichnen könnte. Das Theater ums Theater erlebte seinen Höhepunkt in der jüngsten Ratssitzung: Während Stadtdirektor Johannes Slawig von einer Bestandsgarantie für die Schauspiel-Sparte trotz einer unbefriedigenden Zuschauerentwicklung gesprochen hatte, hatte Rolf Köster (CDU) — der zugleich Vorsitzender des Kulturausschusses ist — den Intendanten kritisiert.

Ihn enttäusche, dass von Treskow nur vier Inszenierungen im Jahr plane und keine Bereitschaft zeige, bis zur Inbetriebnahme der neuen kleinen Bühne auszuweichen — beispielsweise in die Börse oder das Haus der Jugend in Barmen. Er wünsche sich „keinen Intendanten in der Schmollecke“, hatte Köster postuliert.

Im Kulturausschuss wurden nun ganz andere Töne angeschlagen. Es habe ein „konstruktives Gespräch“ gegeben, betonten sowohl Köster als auch von Treskow — eine „offene Aussprache“ also, die hörbare Folgen hat.

Jedenfalls gab von Treskow einen Ausblick auf die Saison 2013/2014, der durchaus die Möglichkeit offen hält, auch in der Börse oder im Haus der Jugend zu gastieren. „Wir haben Sondierungsgespräche geführt“, erklärte der Intendant, schränkte aber auch direkt ein: „Wir müssen, was die Disposition betrifft, eine Lösung finden, die für alle Seiten zufriedenstellend ist. Das sind ja keine leeren Häuser — und ein Gastspiel in der Börse, im Haus der Jugend oder auch in der Citykirche sind mit Kosten und einem riesigen Aufwand verbunden, den man so gar nicht sieht.“ Womit er vor allem den Auf- und Abbau von Technik und Bühnenbild meint. Denn die möglichen Alternativ-Orte „sind ja keine Theater. Ich hoffe zwar, dass es geht, aber noch ist das Spekulation.“

Fakt ist deshalb auch: Nach derzeitigem Stand plant der Schauspiel-Chef erst einmal ohne eine kleine Bühne. Anders gesagt: In der Saison 2013/2014, Christian von Treskows letzter Spielzeit als Wuppertaler Intendant, wird es vier große Schauspiel-Produktionen im Opernhaus geben. Und was sagt der Geschäftsführer? Enno Schaarwächter, Finanz-Chef der Wuppertaler Bühnen, formuliert es so: „Wir haben Finanzierungsmöglichkeiten für Außenspielstätten, aber wir müssen vorsichtig damit umgehen.“

Mit anderen Worten: In Zeiten, in denen das Spardiktat für tiefe Einschnitte sorgt und mögliche Tariferhöhungen für zusätzliche Sorge für die kommenden Jahre vorsorgen“, wie Schaarwächter den Politikern klarmachte. „Der Wirtschaftsplan 2013 ist auf Kante genäht, gefährdet aber nicht die Existenz des Theaters.“