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WZ-TV zu zehn Jahren Literaturhaus: Die Streitkultur blüht

WZ-TV zu zehn Jahren Literaturhaus: Die Streitkultur blüht

Die Szene hat seit fast einem Jahrzehnt ein Forum in Elberfeld. Anne Linsel zieht Bilanz.

Wuppertal. Sie streitet seit vielen Jahren - nicht für sich, sondern für die Literatur. 150 Mitglieder unterstützen Anne Linsel bei einer Mission, die buchstäblich vielseitig ist: Die Vereinsvorsitzende kämpft für das gepflegte, geschriebene und gelesene Wort - ganz nach dem Motto von Else Lasker-Schüler: "Ich streite für mich und für alle Dichter, vor allem aber für die Dichtung."

Die Elberfelder Dichterin spielt nach wie vor eine zentrale Rolle im Literaturhaus - auch wenn der Vereinsname inzwischen geändert wurde. Was 1997 als Else-Lasker-Schüler-Haus gegründet wurde, heißt seit 2005 "Literaturhaus Wuppertal". Aus gutem Grund: "Wir wollen programmatische Vielfalt zeigen." Und nicht "nur" mit dem Namen Else Lasker-Schüler verbunden werden.

Angestoßen wird im Jahr 2010 allerdings nicht auf den 13. Gründungstag oder einen fünften Geburtstag, sondern auf eine runde Sache und damit auf ein ganz anderes Datum: Seit April 2000 ist der Verein an der Friedrich-Engels-Allee83 zu Hause. "Den Einzug haben wir mit einer ganztätigen Lesung von Autorinnen und Autoren aus Wuppertal gefeiert", erinnert sich Linsel, die nun erwartungsvoll nach vorne blickt. Denn auch das Zehnjährige im kommenden Jahr "werden wir gebührend feiern".

Dass es auch im kommenden Jahrzehnt ein erlesenes Programm gibt, dürfte sicher sein. Schließlich ist die "Wuppertaler Literaturszene sehr lebendig", wie Linsel betont. Das spiegelt sich nicht zuletzt in den unterschiedlichsten Reihen, die der Verein mit verschiedenen Kooperationspartnern auf die Bücher stellt.

Dass die Bergische Uni ein besonders wichtiger Mitstreiter ist, gibt es am 9. Dezember Schwarz auf Weiß, denn Andrea Witt und Bernd Kuschmann bekennen Farbe. Das Wuppertaler Schauspieler-Paar stellt einen Gedichtband vor: Literaturwissenschaftlerin Gabriele Sander hat eine Lyrikanthologie vorgelegt, die "Gedichte zwischen Unschuldsweiß und Trauerschwarz" vereint. Einzelne kontrastreiche Häppchen lesen Witt und Kuschmann ab 19.30 Uhr vor - sicherlich mit dem schönen Gefühl, dass Neuvorstellungen zu den beliebtesten Programmpunkten gehören.

Mit der allgemeinen Resonanz ist Linsel zufrieden: "Das Wuppertaler Publikum ist Neuem gegenüber aufgeschlossen." Das dürften vor allem junge Autoren gerne lesen. Trotzdem gilt: Wenn renommierte Wortkünstler Station im Tal machen, "kommen mehr Zuhörer als bei weniger bekannten". Zumal die Liste der prominenten Gäste lang ist: An Diskussionen mit Schriftstellern wie Andrzej Szczypiorski, Carola Stern und Gerlind Reinshagen erinnert sich Linsel genauso gerne wie an Abende mit Lyrikern wie Barbara Köhler, Lutz Seiler, Eugen Gomringer und Jan Wagner.

Speziell jungen Talenten will der Verein ein Forum geben. Das bedeutet übrigens, dass auch für die eigenen Reihen mehr Literatur-Liebhaber und "frische Gesichter" gesucht werden, die sich engagieren möchten. Denn Linsel streitet zwar gern - aber nicht allein. "Mir ist wichtig, dass nicht immer nur ich als Vorsitzende genannt werde", sagt sie denn auch mit Blick auf den Vorstand, in dem neben Gabriele Sander, Matías Martínez, Ruth Eising und Johanna Kumpfert auch Anna Maria Reinhold, Manfred Niewöhner und Dietrich Böttcher kämpfen. Nicht für sich, sondern für die Literatur, versteht sich.