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Wuppertaler Wuba Galerie blickt kritisch auf Friedrich Engels

Kultur : Wuba Galerie blickt kritisch auf Engels

Die Woga ist abgesagt – die Ausstellung findet trotzdem statt.

Friedrich Engels gilt als Journalist, Gesellschaftstheoretiker, als kommunistischer Revolutionär und gleichzeitig erfolgreicher Unternehmer, der sich für die Arbeiterklasse, für die Frauenbefreiung und gegen Kinderarbeit einsetzte. Eineinhalb Jahre haben sich Brigitte Baumann, Eva Möllers und Burkhard Bücher mit Engels intensiv auseinandergesetzt, sie haben über ihn gesprochen, diskutiert und sich eingelesen. „Alle zwei Wochen haben wir uns für je zwei Stunden zusammengesetzt“, erzählt Bücher.

Aus dieser Auseinandersetzung entstanden Poster mit Druckgrafiken, Zeichnungen, Fotos – aktuelle, die Einblicke in eine alte Textilfabrik zeigen, belegt mit dem Staub der Zeit, aber auch nachbearbeitete Fotos vergangener Veranstaltungen, wie eines bei der Schenkung der Engels-Figur durch die Volksrepublik China. Der Umgang mit Engels ist kritisch. Die Dualität seiner Person wird gezeigt. „Das gehört dazu. Man kann ihn hochjubeln, er bietet aber auch genug Angriffsfläche, um ihn wieder runterzuputzen“, sagt Bücher.

„Engels … die zweite“ lautet der Titel der Ausstellung in der Wuba Galerie von Brigitte Baumann. Was sich genau dahinter verbirgt, das behalten die Kunstschaffenden für sich. „Weiberarbeit“ und „Engels im Spiegel“ lauten die Arbeitstitel, die Brigitte Baumann und Eva Möllers für ihre Schaffenskunst wählten. „Im Spiegel“, da Möllers die Schriften Engels, sei es aus seinen Werken oder Briefverkehr, spiegelverkehrt einfügte. Unter dem Motto „Engels today“ stehen die Fotografien von Bücher.

So unterschiedlich die entstandenen Werke in ihrer Materialität sind, die Farbgebung verbindet sie: Die Kombination Schwarz-Rot-Gold ist stark vertreten. Farben, die Engels wichtig waren, wünschte er sich auch von seiner Schwester ein Zigarettenetui mit diesen. Insbesondere aber zieht sich das politische Rot als Farbe der Kommunisten wie ein roter Faden durch die Ausstellung und wird auch haptisch in die Werke integriert, wie in einer Textinstallation von Baumann und Möllers.

Kritik an der
heutigen Politik

So finden sich rote Socken, in Bezug stehend zu Namen wie Lenin, Mao, Ho-Chi-Minh oder Putin. „Solche, die Ideologie nutzten – nicht immer zum Guten“, erklärt Möllers. Rot ist auch die Farbe der SPD: „Sie ist ein zahnloser Tiger geworden, weitestgehend kaum von der CDU zu unterscheiden“, nimmt Bücher Kritik an der heutigen Politik, die sich in seinen Fotos widerspiegelt.

Es gibt Elemente, die sich wiederholen, wie die Porträts von Engels und Marx auf Holzschnitt, die sich auf den Postern von Baumann befinden. Auch bestimmte Begrifflichkeiten tauchen vermehrt auf, wie beispielsweise Engels Spitzname „der General“.

Einen Einblick und zum Hintergrund des Ausstellungstitels erhalten die Besucher vor Ort an der Friedrich-Engels-Allee 174. Am Donnerstag fand die Vernissage statt. Die Woga wurde zwar abgesagt, die Ausstellung wird dennoch gezeigt. Besucher können sich unter Telefon 0179/7058835 für das Wochenende ein Zeitfenster in der Galerie reservieren.