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Wuppertaler Universitätsgalerie Oktogon zeigt Jonas Habrich

Kultur : Ein heruntergefallenes Mobile

Endlich wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet ist das Oktogon am Rande des Klophaus-Parks in Elberfeld. Die Universitätsgalerie wollte eigentlich bereits im vergangenen September den jungen Künstler Jonas Habrich (Jahrgang 1992) mit seinen Werken präsentieren.

Endlich wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet ist das Oktogon am Rande des Klophaus-Parks in Elberfeld. Die Universitätsgalerie wollte eigentlich bereits im vergangenen September den jungen Künstler Jonas Habrich (Jahrgang 1992) mit seinen Werken präsentieren. „Bei Ausstellungen muss hier auf den Ort eingegangen und die besondere Form des Gebäudes in die Installation mit eingebunden werden“, erzählt Charlotte Perrin, Mitorganisatorin und eine der künstlerischen Leiter.

Der Pavillon mit seinen vielen, teilweise abgerundeten Ecken hat große Fensterflächen und nur eine durchgehende Wand. Ohne große Mittel sollen hier die Kunstobjekte entstehen. Bei umliegenden Universitäten angefragt werden junge Künstler, die gerade ihren Abschluss gemacht haben oder kurz davor stehen. „Die Professoren entscheiden dann, wer ausstellen kann“, so Perrin. So soll auch ein Austausch untereinander stattfinden.

Auch Habrich hat sich von der Architektur beeinflussen lassen. „Ich habe das Gebäude nicht im historischen Kontext gesehen, sondern die Form von außen auf mich wirken lassen.“ Die Assoziation eines Karussells entstand. „Doch die Elemente wollte ich aufsprengen, die Kreisbewegungen brechen“, so Habrich und deutet auf einen Teil seiner Konstruktion. Wie ein heruntergefallenes Mobile liegen Sandsäcke auf dem Boden, aufgehängt an Seilen aus Polyamid. „Hier findet sich auch der Titel der Ausstellung ‚Fallen’ wieder, in seiner unterschiedlichen Bedeutung.“

Pandemiepause ist
endlich vorüber

Eine urplötzlich stehen gebliebene Kreisbewegung kommt einem in den Sinn, die Zeit bleibt stehen, von einem „gestauchten Finale“ spricht der junge Künstler. Habrich installierte ein Ensemble aus heterogenen Elementen. Verschiedene Materialien kamen zum Einsatz. Wie nach einer Explosion liegt auf dem gesamten Boden buntes Konfetti, Jahrmarkt, Jubel und Freude assoziierend. Das aus den großen Fenstern einfallende Licht spiegelt sich darin, lädt ein zum Anfassen. Das ist erlaubt und erwünscht. Jede Änderung ändert auch das Kunstwerk. Den kleinen Jungen, der mit seinen Eltern auf Einlass wartet, kann man sich gut beim Aufnehmen und Streuen der knallbunten glitzernden Streifen vorstellen.

Aus Beton gegossene Füße liegen wie dahingestolpert im Raum, Slapstick-Elemente. Es wirkt alles wie zufällig, ist aber mit Feinsinn inszeniert und Fantasie anregend. Kombiniert mit Wörtern: Auf Markisenstoff hängen einzelne Wörter eines englischen Satzes an der Wand. Teile davon kann man sinnvoll zusammensetzen.

Leise Töne, kaum zu hören, dringen fast unbewusst ans Ohr. Sie kommen aus dem Kellerraum, dem zweiten Raum der Ausstellung. Ein verhülltes Mikrofon, Zeilen aus „What a wonderful world“ in Dauerschleife, fast schon meditativ. Zufallsobjekte können auch zur Kunst werden. Die zerbrochenen Scherben eines Kellerfensters bleiben auf dem Boden liegen, Pendant zum Konfetti im oberen Raum. Die kleine Ausstellungsfläche in dem achteckigen Bauwerk bietet mit „Fallen“ eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung von Jonas Habrich.