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Wuppertaler Tic-Leiter Stefan Hüfner über die Corona-Krise

Kultur : Theaterleben: Wie mit der Axt durchtrennt

Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind dieser Tage allerorts verweist und auch das Tic liegt im Dornröschenschlaf.

Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind dieser Tage allerorts verweist und auch das Tic liegt im Dornröschenschlaf. Für Stefan Hüfner keine einfache Situation. Gemeinsam mit Ralf Budde ist er seit 2007 Geschäftsführer des beliebten Cronenberger Theaters. Dass das normale Theaterleben aufgrund der Pandemie abrupt unterbrochen wurde, macht ihn traurig, auch wenn die finanzielle Lage stabil ist: „Sinn und Zweck eines Theaters ist nun mal das Aufführen.“

Aber auch abseits des Tics hat der 57-jährige Wahlwuppertaler ein aktives Leben. Er ist Jazz-Musiker und Professor für Komposition an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Auch hier hat Corona vieles durcheinandergebracht. Als Musiker vermisst er das gemeinsame Musizieren. Proben und geplanten Konzerte fallen aus. Als Professor sind die Veränderungen weniger stark zu spüren, da er weiter im Online-Unterricht lehrt. Prägendster Unterschied zu seiner normalen Lehrtätigkeit sei, dass er später aufstehen kann, erzählt er lachend. „Und am Ende des Tages merke ich, dass der Sprechoutput größer ist, als wenn ich körperlich vor Ort bin.“ Davon abgesehen sieht Hüfner in der aktuellen Situation auch Vorteile, denn die Kommunikation sei wesentlich einfacher und schneller geworden.

Zur Musik kam er schon beim Spielen in der heimatlichen Küche. Dort lauschte er voller Begeisterung dem laufenden Radio. Mit 13 Jahren begann er Schlagzeug zu spielen, mit 15 war er Preisträger „Jugend jazzt“ im Fach Klavier. Er lernte die Jazz-Szene Mülheims kennen. Dort inspirierten ihn die gelegentlichen Auftritte Helge Schneiders zusätzlich. „Das war immer beeindruckend, wenn er da auftauchte und spielte.“ Nach dem Abitur studierte Hüfner Musik und Geschichte in Duisburg, im Anschluss von 1988 bis 1992 Jazz-Komposition und -Arrangement an der Folkwang-Hochschule, der er beruflich treu blieb.

Seitdem arbeitet er freiberuflich auch als Komponist im Bereich Jazz, Filmmusik, Theatermusik, Musical, Werbung und Trailer für Radio und Fernsehen. An seine erste große Produktion erinnert sich der Musiker besonders gern. Er erstellte den Soundtrack zur Tour de France `97-Berichterstattung der ARD. „In diesem Jahr hat Jan Ullrich gewonnen, da war richtig was los.“

„Es war alles richtig“, sagt
er über seinen Werdegang

Auf der Bühne steht er gern mit seiner Big-Band „Bandfire“, deren Leitung er 2009 übernahm. Eines seiner Lieblingsprojekte ist „Stefan Huefner’s Zappata“, eine Hommage an Frank Zappa. Im Auftrag der Philharmonie Essen hat er 2011 die Musik der Rock-Legende bearbeitet und eine Band arrangiert. Die Premiere war so furios, dass das ehemalige Zappa-Band-Mitglied Napoleon Murphy Brock aufmerksam wurde und 2018 mit ihm auf Tour ging. Ein beeindruckendes Erlebnis für den Künstler.

Stefan Hüfner ist Musiker mit Leib und Seele. Ob in seiner Rolle als musikalischer Leiter, als Lehrender oder als Komponist. „Es war alles richtig“, sagt er über seinen Werdegang. Er habe im Leben nie auf die Uhr geguckt und doch habe sich alles richtig gefügt.