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Wuppertaler Studentin dreht Kurzfilm über Neurodermitis

Nominiert für Film-Festival : Gefangen zwischen zwei Welten: Ein Film über Neurodermitis

Die Wuppertalerin Elena Wiener ist mit ihrem Werk bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen für den NRW-Wettbewerb nominiert.

„Trübes Wasser“ heißt der Mixed Media Film von Elena Wiener (29). Es sind animierte Zeichnungen, die mit realem Filmmaterial kombiniert sind. Integriert sind fotografisch festgehaltene Strukturen wie Stein oder Birkenrinde. Auf das Hautgefühl von Neurodermitis-Betroffenen will die Filmemacherin aufmerksam machen und einen Einblick gewähren, was chronische Krankheiten in den Menschen auslösen können. Entstanden ist der Film im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Bergischen Universität. Bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen wurde ihr Film für den NRW-Wettbewerb nominiert – unter 250 eingereichten Beiträgen.

Zu sehen sind verschiedene Texturen im Gesicht oder auf den Händen der Figur. Was hat es damit auf sich?

Elena Wiener: Das sind Fotografien, die eingearbeitet wurden. Tatsächlich war es so, dass ich am Anfang eine riesige Mindmap gemacht habe, was für Strukturen ich mit diesem Krankheitsbild verbinde, die es visuell wiedergeben, auch auf einer inhaltlichen Ebene – wie die Birkenholzstruktur oder eine rissige Hauswand. Die Figur ist viel drinnen und kommt nicht nach draußen. Es gibt dieses Sprichwort. Der Körper ist wie ein Haus, das gepflegt werden muss. Dass dieses Haus intakt sein soll, wird damit aufgenommen.

Der Oktopus kommt wiederholt vor, was bedeutet er für Sie?

Wiener: Generell gibt es viel Interpretationsfreiraum. Für mich handelt der Film von Neurodermitis oder auch von chronischen Krankheiten. Der Oktopus ist wie ein Dämon, der die Person, die an etwas leidet, in diesem Fall an Neurodermitis, mit seinen Tentakeln einnimmt. Man ist dem Juckreiz ausgeliefert. Die Hände sind fast fremdbestimmt.

Was hat es mit dem Titel „Trübes Wasser“ auf sich?

Wiener: Davor hatte ich die ganze Zeit einen Arbeitstitel, der anders lautete. Ich habe überlegt, was passend wäre, und habe geguckt, welche Elemente wiederkehrend im Film sind – und das ist das Element des Wassers. In einer Badszene spült die Protagonistin Geschirr. Der Oktopus ist bedrohend im Wasser. Gleichzeitig gibt es zum Beispiel auch die Szene des Augenaufschlags, der betrübt ist.

Wie lange hat es gedauert von der Idee bis zur Umsetzung?

Wiener: Die Idee gab es schon lange und es fließen verschiedene Konzepte ein. Die tatsächliche Arbeitszeit war ungefähr fünf bis sechs Monate – mindestens. Es war sehr intensiv, meistens montags bis sonntags.

Im Film sind animierte Zeichnungen zu sehen und Realfilmaufnahmen. Wie kommt es zu dieser Kombination?

Wiener: Eigentlich komme ich gar nicht vom Animationsfilm, sondern habe davor eher Realfilmprojekte gemacht. Ich bin nach und nach zum Animationsfilm gekommen, weil ich festgestellt habe, dass es ganz andere Möglichkeiten bietet. Und weil ich schon noch dem Realfilm zugeneigt bin, wollte ich das mit drin haben. Es passt ganz gut ins Konzept von dieser Welt draußen, die so lebendig ist, und der Welt innen, die animiert ist. Durch die Film- und Fotografiestrukturen ist es möglich, diesen Kontrast darzustellen. Die Protagonistin schafft es irgendwie nicht, in die Welt nach draußen zu gehen. Dieses Gefangensein wird visuell unterstützt. Damit es nicht überladen wird und es farblich ganz gut gepasst hat, habe ich mich auf Schwarz, Weiß und Rot beschränkt. Klar, die naheliegende Assoziation von Rot ist dieses Blutige, aber es ist auch eine Akzentfarbe, um den Fokus auf bestimmte Sachen zu legen.

Haben Sie Erfahrungen mit Neurodermitis gemacht, weil Sie dieses Thema zum Gegenstand Ihres Films gemacht haben?

Wiener: Ich bin tatsächlich selbst betroffen. Ich bin viel in Facebook-Gruppen unterwegs und sehe, wie viele Menschen darunter leiden und wie wenig es in den Medien aufgenommen wird.

Woran liegt das?

Wiener: Ich glaube, es ist gar nicht so gesellschaftlich bekannt. Und auf den Social Media-Kanälen werden permanent Schönheitsbilder verbreitet. Für Normalsterbliche ist es schon schwierig, dem nachzukommen. Gerade, wenn man an so einer Krankheit leidet, ist das noch einmal schwieriger.

Woran arbeiten Sie jetzt?

Wiener: Aktuell bin ich an einem neuen Konzept, über das ich noch gar nicht so viel sagen kann. Es ist noch ganz am Anfang. Es werden auf jeden Fall noch mehr Sachen von mir kommen im Laufe der nächsten Jahre.