Wuppertaler Sinfoniker plaudern mit Schülern

Sinfonieorchester : Schüler plaudern mit den Sinfonikern

Im Rahmen des Education-Programms der Bühnen trafen Jugendliche vor dem Konzert den Solisten Teo Gheorghiu.

Ein Wiedersehen stand am Montagabend bevor, vor allem ein Wiederhören: Vor dem Besuch des Sinfoniekonzerts trafen Schüler in der Stadthalle schon am Vormittag einen zentralen Akteur. Im Rahmen des Education-Programms hatten diesmal vier Klassen der Max-Planck-Gesamtschule Gelegenheit, den Solisten Teo Gheorghiu kennen zu lernen.

„Für mich ist es wichtiger, zu bewegen, als keine Fehler zu machen“, war eine der Aussagen des Pianisten, die im Gespräch mit Heike Henoch vom Education-Management nicht nur für Neulinge bemerkenswert waren. Der Schweizer mit rumänischen Wurzeln würde am Abend im Sinfoniekonzert mit Werken von Maurice Ravel und George Gershwin die Solopartien am Klavier bestreiten, und zum Treff am späten Vormittag trat er mit lockerem Hemd und offener Mähne vor die Jugendlichen. Das passte wohl zur unüblichen Situation: Außerhalb der Öffentlichkeit für Einblicke geladen zu sein, hatte etwas von Backstage-Talk.

Kurze Vorträge
am Klavier

Denn wenn auch der gloriose Große Saal der Stadthalle unweigerlich Festlichkeit atmet, war die Stimmung nicht zu förmlich. „Mut oder Dummheit?“, sagte er kokett auf die Auskunft, dass er die Werke dieses Abends noch nie zuvor bei Konzerten gespielt hatte.

Doch ging es im Ganzen ja um Musik, und kurze Vorträge am Klavier durchzogen die gut gefüllte Stunde. Gheorghiu spielte Auszüge aus den zwei Werken des Konzertprogramms, begann indes mit einem eigenen Favoriten, „Sevilla“ von Isaac Albeniz. Gleichfalls persönlicher Vorliebe geschuldet war, dass Ravel am Ende noch mit einer laut Gheorghiu „psychedelischen“ Nummer und somit gleich zweimal erklang - wer aufgepasst hatte, konnte das da schon wissen: Dass der Franzose „zur Zeit“ ein Lieblingskomponist war, hatte der Pianist zuvor auf eine Schülerfrage hin verraten.

Die Fragen kamen engagiert - überhaupt schienen die zwar unfreiwilligen Besucher nicht nur ruhig, sondern auch aufmerksam. Nicht nur ein Pulk Jungs zur Linken etwa wirkte konzentriert. Ein Mädchen wollte auch von den musikalischen Anfängen wissen und erfuhr: Nach ersten Gehversuchen schon mit fünf Jahren bekam Gheorghiu erste Klavierstunden als Geburtstagsgeschenk. Zu hören waren auch speziellere Interessen und Auskünfte: „Woher beziehen Sie Ihre Ausdauer?“ „Man braucht eine gute Technik - ein wenig wie im Sport. Ich versuche so organisch zu spielen wie möglich.“ Und so manches klang ganz grundsätzlich, wie bei der Frage, wie er sich für eine Laufbahn als Pianist entschieden habe: „Nicht abhängig machen von externen Einflüssen - wie Gesellschaft oder“, mit einem Lächeln in die Runde, „Schule.“

Entspanntes Plaudern wie dieses ist sicher nicht nur für Schüler interessant. Das Format mit Solisten ist dabei der Kooperation mit Schulen vorbehalten. Lehrerin Brigitte Fröhlich, Fachvertreterin Musik: „Die Max-Planck-Schule ist seit 20 Jahren dabei.“ Zur Freude von Heike Henoch ist sie seit langem geschätzte Ansprechpartnerin für die Pädagogik-Abteilung der Sinfoniker. Doch auch für Erwachsene gibt es rund um „Education“ informative Angebote - auch mit Orchestermusikern, die anders als ein Solist beim Konzert weniger im Fokus stehen. Für die Schüler aber ging es mit Gheorgiu um einen solchen: als intime Einstimmung auf das Konzerterlebnis einen halben Tag später - und dann im großen Rahmen.

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