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Wuppertaler Polyphem Verlag bietet ein Forum für Forscher

Kultur : Polyphem Verlag: Ein Forum für Forscher

Ob Doktorarbeiten oder Forschungsberichte – der Wissenschaftsbetrieb bringt stetig neue Publikationen hervor. Erscheinen sie in kleiner Auflage, ist man beim Buchpreis schnell im dreistelligen Bereich. Der Wuppertaler Polyphem Verlag bietet eine Alternative.

Ob Doktorarbeiten oder Forschungsberichte – der Wissenschaftsbetrieb bringt stetig neue Publikationen hervor. Erscheinen sie in kleiner Auflage, ist man beim Buchpreis schnell im dreistelligen Bereich. Der Wuppertaler Polyphem Verlag bietet da eine Alternative. Seit Ende 2020 veröffentlicht er Sachbücher zu Preisen, die auch Studierende bezahlen können.

Denn das Verlagsteam Peggy und Patrick Leiverkus, das sein Büro in Oberbarmen hat, setzt aufs Print on Demand-Verfahren. Erst wenn Bestellungen für ein Buch vorliegen, wird es in den Druck gegeben. „Die Bücher werden nicht gelagert“, erklärt Patrick Leiverkus. „Es gibt keine Lagerhaltung, also keine Auflage im klassischen Sinn.“ Was die Kosten insgesamt senke. „Wir können den Verlag führen, ohne uns verschulden zu müssen“, sagt Peggy Leiverkus. „So haben wir im letzten Jahr schon einen kleinen Gewinn gemacht.“

Dass es den Polyphem Verlag überhaupt gibt, liegt an den guten Beziehungen von Peggy Leiverkus zur Bergischen Universität. Dort hat die gebürtige Berlinerin über den römischen Dichter Ovid promoviert. Und es war ihr Doktorvater Professor Stefan Freund, der mit der nicht ganz ernst gemeinten Frage „Möchten Sie nicht mal einen Verlag gründen?“ die Inspiration lieferte.

Peggy Leiverkus, die Erfahrung als Autorin und Lektorin hat, gefiel die Idee, und sie machte sich an die Umsetzung. Patrick Leiverkus, wissenschaftlicher Assistent an der Kirchlichen Hochschule, brachte sein Know-How in Sachen Layout und Satz ein.

Polyphem heißt bekanntlich der einäugige Riese, mit dem es der antike Held Odysseus zu tun bekommt. Die Konzentration des Polyphem Verlags auf Alte Geschichte, Kultur und Literatur liegt also nahe. Ganz so eng sieht es das Team Leiverkus aber nicht. Gleich der erste Band schlug den Bogen zur Gegenwart. „Antike Konzepte für ein modernes Europa“ war zugleich Auftakt der Reihe Studia Montana (lateinisch für „Bergische Studien“), die gerade auch Wuppertaler Wissenschaftlern ein Forum geben soll.

Noch stärker ist der regionale Bezug bei den Nachfolgebänden. Um das Leben und Werk des Barmer Archäologen Wilhelm Dörpfeld ging es im Sammelwerk „Eine Odyssee“, das die Ergebnisse eines internationalen Workshops an der Wuppertaler Uni präsentiert. Die jüngste Veröffentlichung, so Patrick Leiverkus, zeige Dörpfeld unmittelbar „als private, wirkliche Person“.

Es handelt sich um die Reproduktion eines Fototagebuchs, in dem Dörpfeld seine Lebensstationen und Reisen auf den Spuren der Antike festgehalten hat. Sogar das Querformat des Albums, dessen Original sich im Stadtarchiv Wuppertal befindet, gibt die Buchversion wieder. Die Herausgeberinnen Mira Weidhaas-Berghöfer und Gianna Hedderich ordnen die Fotos und handschriftlichen Anmerkungen in den historischen Kontext ein.

Auch wenn Peggy und Patrick Leiverkus schon an die nächsten Buchprojekte denken, spielt die Verlagsarbeit bei ihnen derzeit nicht die Hauptrolle: „Wir machen das nebenberuflich und loten aus, wie sich der Verlag weiterentwickeln kann.“

Der jüngste Polyphem-Band „Meiner lieben Schwester Christine – Impressionen eines weitgereisten Archäologen“ hat 160 Seiten und kostet 19,99 Euro. ISBN 978-3-96954-002-2