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Wuppertaler Performancefestival zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys

Performance bei Kaiser & Dicke : Von Kunst und gutem Essen

Wuppertaler Performancefestival vom 2. bis 6. Juni zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys mit Showcase Beat Le Mot.

Kunst macht hungrig - zumal, wenn sie mehr Zeit braucht als üblich. Weshalb das Kollektiv Showcase Beat Le Mot in seine in vielerlei Hinsicht ausufernden Performances gern das Essen einbaut - als Stilelement, als thematischen Schwerpunkt und weil man sich als Gastgeber sieht. Die vierköpfige international agierende „postdramatische Boygroup“ mit dem programmatischen Namen gilt als Urgestein der Gießener Schule. Im Rahmen des Wuppertaler Beuys-Performancefestivals verwandelte es an zwei Tagen die ehemalige Fabrik Kaiser & Dicke in Barmen in eine Stätte ausgelassenen, sinnenfrohen Kunstgenusses.

Ihre Programme sind immer wieder anders. Sie bestehen aus einem Rahmen, einer Ideensammlung ohne festen Ablauf, und viel Improvisation, die Ergänzung, aber auch Kontrapunkt sein kann. 1997 taten sich die Studenten der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen, Nikola Duric, Dariusz Kostyra, Thorsten Eibeler und Veit Sprenger zusammen. Seit bald 25 Jahren testen sie das Theater als Kunstform aus, entwickeln es weiter. Nicht bierernst, eher spielerisch und in engem Kontakt mit dem Publikum. Wenngleich das in Wuppertal coronabedingt aus den Mitarbeitern des Festivals bestand, während die Masse der Zuschauer nur am Bildschirm dabei sein konnte.

Mitgebracht hat das Quartett sein Programm „Remode Zombie Andy Beuys“, das es zwei großen Protagonisten der Kunst des 20. Jahrhunderts, Joseph Beuys und Andy Warhol (der auch von Beuys eine Porträtserie schuf) widmet. Der deutsche Künstler bedeutet viel, stehe er doch „für einen erweiterten Kunstbegriff, so wie wir für einen erweiterten Theaterbegriff stehen“, sagt Veit Sprenger. Weil er das festgenagelte Bild an der Wand überwand, um den Raum zu bespielen.

Auch Showcase Beat Le Mot tragen den Guckkasten nur noch im Namen, agieren im Raum und am liebsten an ungewöhnlichen Orten wie der weitläufigen, leerstehenden Barmer Fabrik. Dort stehen hohe Tische, an denen die in dunkle Overalls gekleideten Herren, ruhig und emotionslos zwischen Tellern und Gläsern Gemüse klein schneiden und verschiedene Gerichte kochen. Schließlich hat auch Beuys in seinem Film „Jeder Mensch ist ein Künstler“ einen Gemüseeintopf zubereitet und dabei über seinen Kunstbegriff gesprochen. Ab und an werden ein Kohlrabi oder eine Mohrrübe vor einem Mikro gekaut, ein wild zusammengesetzter Text vorgelesen, über Schmerzen von geschnibbeltem Gemüse und getöteten Hasen spekultiert oder ein Becken geschlagen, während sich der Raum wohlig mit Essensdüften füllt und im Hintergrund ununterbrochen atmosphärische Musik läuft.

Dann geht es auf Entdeckungstour: Wer will, wird in sarggroßen Flightcases durch die Fabrik gefahren, die den Blick nach draußen nur durch Sehschlitze gewähren. Umso intensiver ist die akustische Unterhaltung. Die Performer werfen Tischtennisbälle gegen die Wand, wischen über die Casedeckel, stapfen auf Styroporwürfeln herum, stimmen einen Sprechgesang an, führen am Ende auch einen Dialog von Warhol und Beuys auf. Eine Performance, die allen einfach nur Spaß macht.

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