1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Wuppertaler Orgeltage: Ein Tausendsassa serviert klangvolle Leckerbissen

Wuppertaler Orgeltage: Ein Tausendsassa serviert klangvolle Leckerbissen

Wolfgang Kläsener ist einer der aktivsten Musiker im Tal. Schon jetzt freut er sich auf die Konzerte im September.

Nein, die Eltern waren keine Berufsmusiker. Aber es gab Musik im Hause Kläsener in Essen-Kettwig, denn: "Musik gehörte damals zur Bildung unbedingt dazu." Für Wolfgang Kläsener, heute einer der aktivsten und erfolgreichsten freien Musiker im Tal, war das Anregung genug.

Er beschloss, die Musik intensiver zu betreiben. Die Ausbildung zum nebenamtlichen Kirchenmusiker schloss er mit 16 Jahren mit dem C-Examen ab. Aber sein Lehrer erkannte das Talent und vermittelte ihn als Jungstudent für Orgel zu Gisbert Schneider an die Essener Folkwang Hochschule: "Nach dem Abitur war es für mich nahe liegend, die Musik zum Beruf zu machen."

Wieder sorgte ein Glücksfall für den fließenden Übergang des frisch gebackenen Absolventen nach dem Studium der Kirchenmusik in den Beruf: Für den scheidenden Manfred Schreier, bei dem Kläsener das Dirigenten-Examen abgelegt hatte, war er der Wunschkandidat für die Leitung der Kantorei Barmen-Gemarke. Seit 1993 ist er nun ihr Leiter.

Der 45-Jährige empfindet es als großes Glück, so intensiv und kontinuierlich mit denselben Menschen zu arbeiten: "Wir können uns aufeinander verlassen."

Dass er das Konzertexamen bei Daniel Roth (Paris/Saarbrücken) machte, das renommierte Kettwiger Bach-Ensemble gründete und leitet, das Orchester der Bergischen Uni betreut, künstlerischer Leiter der Wuppertaler Orgeltage ist und seit kurzem den Lehrauftrag "Oratorien-Ensemble" an der Musikhochschule inne hat, mag der gefragte Musiker gar nicht aufzählen.

Was Kläsener am Herzen liegt: "Ich möchte bei der Jugend eine langfristige musikalische Bildung vorantreiben." Da kam ihm die Anfrage des Schulreferats für evangelische Religion innerhalb des Kirchenkreises Wuppertal gerade recht.

Vier Stunden wöchentlich erläutert er am Carl-Duisberg-Gymnasium mit den Jugendlichen im Religionsunterricht zentrale Lebensfragen: "Zum Beispiel: Was kommt nach dem Tod? Da bot sich die Aufführung des Elgar-Oratoriums ‚The Dream Of Gerontius’ an. So konnten wir die Thematik nicht nur von rationaler, sondern auch von musikalisch-emotionaler Seite aus angehen."

Blieb bei dem reichhaltigen Engagement in Sachen Musik überhaupt Zeit für die private Lebensplanung? Kläsener lacht. "Natürlich habe ich meine Frau in dem Chor kennen gelernt, in dem wir gemeinsam sangen. Sie ist Primarstufen-Lehrerin für Religion und Musik. Und unsere drei Kinder im Alter von neun, sieben und fünf Jahren üben sich auch schon fleißig in Musik. Der Älteste, Johannes, hat sich die Trompete ausgesucht, für die kleinen Mädchen ist es zunächst die Blockflöte."

Und noch eines freut den passionierten Musiker: Im Juli ist er mit seiner Familie wieder in das elterliche Haus in Kettwig gezogen. So schließen sich Kreise.

Im Programm der diesjährigen Orgeltage vom 16. bis 23. September sieht Kläsener viele Höhepunkte: "Ich möchte auch in den kommenden Jahren das Thema ‚Orgel und Chor’ weiter behandeln."

In diesem Jahr bestreitet die Wuppertaler Kurrende unter Martin Lehmann das Eröffnungskonzert zusammen mit der Mezzosopranistin Heike Bader, ihm selbst an der Orgel und Uwe Fischer-Rosier am Schlagzeug. Daneben freut er sich, dass Gerd Zacher gewonnen werden konnte. "Er ist ein Denker an den Tasten, hier bekommt auch der Geist Nahrung."

Ganz besonders freut Kläsener die Begegnung "Bach & Jazz": "In diesem Konzert stellen Roland Dopfer an der Orgel und das Thomas-Gabriel-Trio Bach-Original und seine Bearbeitung im Jazz einander gegenüber, das finde ich spannend."

Ein musikalischer Leckerbissen dürfte das Abschlusskonzert werden: Manuela Randlingers Harfe und die Orgel, gespielt vom jungen Organisten Michal Markuszewski werden selten gehörte Klangkombinationen schaffen. "Frau Randlinger, die Harfenistin vom Sinfonieorchester, bringt einen Klangkorpus aus Holz mit, auf den sie ihre Harfe stellt", freut sich Kläsener. "Der wirkt wie ein akustischer Verstärker."

Karten für die Orgeltage-Konzerte gibt es in den WZ-Geschäftsstellen, Wall 39 und Alter Markt 10, sowie im Musikhaus Landsiedel-Becker, Werther Hof 13.