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Wuppertaler Oper probt für Die Piraten, aber vorerst gibt es keine Aufführung

Oper : Proben, so gut es geht, aber vorerst keine Aufführung von „Die Piraten“

Kurz vor der Generalprobe musste die Opernproduktion „Die Piraten von Penzance“ beendet werden.

Am 20. Dezember wäre es so weit gewesen, sollten „Die Piraten von Penzance“ in der Oper Wuppertal Premiere feiern. Coronabedingt nur eine interne, ohne Publikum. Nach den neuesten Verschärfungen fällt sie aus. „Jede Probenarbeit lebt von einem Spannungsbogen, dessen Ziel die Aufführung vor Publikum ist. Wir wären jetzt so weit“, beschreibt Iris Marie Sojer vom Opernensemble die schwierige Situation kurz vor der Orchesterhaupt- und der Generalprobe. Die Absage verschiebt die Aufführung einer Produktion, die an vielen Stellen von den Einschränkungen der Pandemie geprägt ist, ins Ungewisse.

Opernintendant Berthold Schneider ist enttäuscht, „das Ergebnis wochenlanger Probenarbeit“ zunächst nicht dem Publikum präsentieren zu können. „Besonders da Cusch Jung es trotz vieler Hygiene- und Abstandsregeln geschafft hat, eine energiegeladene Inszenierung umzusetzen, bei der es auch ohne direkten Kontakt zwischen den Sängern knistert. Sie haben Außerordentliches geleistet, umso härter ist es nun für alle Beteiligten, die Proben nicht mit einer Premiere zum Abschluss zu bringen“.

William Shaw hat die musikalische Leitung der komischen Operette aus dem Jahr 1879 übernommen. Als Brite kennt er das Werk von Arthur Sullivan und William Schwenck Gilbert natürlich gut, liebt seine auf der Insel sehr beliebten Arien. „Die Musik ist genial, mit sehr britischem Humor, unglaublich gut geschrieben“, schwärmt er. Die Corona-Schutzvorschriften bedingen eine Verkleinerung des Orchesters, Shaw hat eine neue Orchestration geschaffen, die mit 16 Musikern auskommen muss. Dabei hilft ihm, dass deutsche Musiker kraftvoller spielen als britische, stapelt er tief, lobt zugleich die einem Wunder gleichkommende exzellente Inszenierung von Cusch Jung, die trotz Abstandsvorgaben fokussiert und effizient sei. Die Coronakrise führe immer wieder dazu, dass Dinge nicht mehr gehen. Eine Spirale der Enttäuschung sei das, und das nach soviel Arbeit, meint er traurig.

Die Corona-Krise fordert auch, dass Iris Marie Sojer nicht nur die Edith singt, sondern auch den Chor unterstützt. Die Herausforderung für sie besteht diesmal nicht im Erarbeiten einer exponierten Solopartie, sondern mehr im chorischen Atmen und im Erlernen des vielen Textes, der spritzig und flink vorgetragen werden will. Ihr gefällt die „mit britischem Humor durchtränkte Oper mit ihrer Gesellschaftskritik, ihrem pazifistischen Unterton, ihrem Witz“. Die Umsetzung auf eine schräge Drehbühne, die in stimmungsvolles Licht getaucht wird. Auch wenn die komische Oper eigentlich vom Miteinander lebe, sei die Produktion mit viel Energie und Spaß erarbeitet worden: „Wir haben uns gesagt, dann arbeiten wir eben, so gut es geht.“

Die Solisten reizen ihre Rollen bereits in den Proben aus

Katrin Natalicio ist besonders von den Leistungen der Solisten beeindruckt. Sie gäben ihr Bestes, reizten ihre Rollen aus. Die Estin gehört dem Damenchor der Oper an, der aufgeteilt wird: Weil die Corona-Abstände nur 13 Sängerinnen und/oder Sänger auf die Bühne lassen, stehen die anderen an der Seite. Der Sängerin gefallen an der Inszenierung vor allem die Kostüme, das wandelbare Bühnenbild, das mal als Schiff, mal als Friedhof, mal als Strand genutzt werde, und das „wunderschöne Licht“. Vor allem aber, dass der Chor viel tanzen dürfe – wenn auch jeder mit sich allein. Bei allem Verständnis für die Bekämpfung der Pandemie belasten auch sie das Hin und Her der Coronabeschränkungen und die damit einhergehende Ungewissheit: „Man startet immer wieder etwas, dann gilt es nicht mehr. Das ist schon schwierig.“

Die eingeschränkte Probenarbeit und die Orchesterreduzierung (“notgedrungen fehlt überall die zweite Stimme“) führen auch dazu, dass Georg Stucke bislang nur zwei Proben hatte. Das, was der stellvertretende Solotrompeter des Sinfonieorchesters bisher von der Oper kennengelernt hat, gefällt ihm. Es sei anders als die übliche Opernliteratur, sei skurril. William Shaw biete auch für die Trompeten interessante Einsätze. Und so manche Neuentdeckung. Etwa einen Choral am Ende, der von der Trompete angeführt werde. Die Corona-Krise sieht der Musiker von zwei Seiten. Für ihn persönlich bedeute sie das fehlende Publikum. Was die Pandemie für die Gesellschaft bedeute, was sie und die damit einhergehende Digitalisierung mit der Kultur machen, werde man wohl erst in fünf, zehn Jahren begreifen. „Wir lernen sehr viel dabei, aber das ist ein langer Weg.“

Schneider denkt derweil nach vorne: Die Operette von Gilbert & Sullivan lebe „von einem so außergewöhnlichen Humor, der schon ins Absurde geht, dass wir uns bereits jetzt sehr auf die erste öffentliche Aufführung freuen“.