Wuppertaler Musiksommer hat begonnen

Wuppertaler Musiksommer : Der Musiksommer hat begonnen

Das Eröffnungskonzert der Internationalen Meisterkurse begeisterte das Publikum. Allerdings waren im Mendelssohn Saal der Historischen Stadthalle nicht genügend Plätze für alle vorhanden.

Wie in jedem Jahr, ab etwa der zweiten Hälfte der Sommerferien, gibt es auch dieses Mal den Wuppertaler Musiksommer, veranstaltet von der Wuppertaler Musikhochschule und der Stadthalle.

Eröffnet wurde er von Dozenten, die in dieser Woche im Rahmen der „Internationalen Meisterkurse“ laut dem Geschäftsführenden Direktor des Instituts, Lutz-Werner Hesse, 55 junge Musiker aus aller Welt unter ihre Fittiche nehmen. Aus technischen Gründen, wie sich Hesse gegenüber der WZ äußerte, fand das Konzert ausnahmsweise nicht im Großen, sondern im Mendelssohn Saal der Stadthalle statt.

Doch war diese Entscheidung unglücklich. Obwohl im angrenzenden östlichen Majolika Saal zusätzlich Stühle aufgestellt wurden, waren die insgesamt etwa 450 Plätze zu wenig. Die Folge war, dass Gäste wieder nach Hause geschickt werden mussten. Wer weiß, wie viele davon von auswärts kamen. Etliche Autos auf dem Parkplatz nebenan hatten kein Wuppertaler Kennzeichen.

Außerdem gab es viel zu wenige Programmzettel gerade in den hinteren Reihen. Manche wussten also nicht, was gespielt wurde – Fauxpas Nummer zwei. Nach der Pause waren ein paar Sitzgelegenheiten leer. Und während der zweiten Hälfte des Konzertes machten sich weitere Besucher auf den Weg nach draußen.

Apropos Programmzettel: Dieser war alles andere als aufschlussreich. Denn es gab keine kurzen Texte zu Komponisten und den aufgeführten Werken. Jean G. Pennequin kennen bestimmt nur Trompetenexperten, dessen „Morceau de Concert“ aus dem Jahr 1907 für Trompete und Klavier erklang. Trotz kleiner Unsauberkeiten spielte Cyrill Sandoz, Solotrompeter des Sinfonieorchesters Wuppertal, dieses Stück sehr virtuos.

Hochmusikalische Leistung von Geigenprofessorin Scheerer

Wer hat den Namen Giya Kancheli schon einmal gehört? 1935 in Tiflis geboren, lebt der georgische Komponist heute in Belgien. Die zahlreichen Miniaturen für Violine und Klavier entstammen seinen Kompositionen für Filme und Theater. Fünf von ihnen stellte Geigenprofessorin Ingeborg Scheerer vor. Ihre hochmusikalischen Darbietungen begeisterten.

Auch Paul Schoenfield, 1947 in Detroit geboren und in den USA wie Israel zu Hause, dürfte nur Insidern bekannt sein. Von ihm vorgestellt wurde „Three Souvenirs“ für Flöte und Klavier in der Reihenfolge „Tin Pan Alley“-„Tango“-„Samba“. Im Original handelt es sich um vier Souvenirs für Geige und Klavier aus dem Jahr 1990 in der Abfolge „Samba“-„Tango“-„Tin Pan Alley“-„Square Dance“. Der meisterhafte Vortag von Flötenprofessor Dirk Peppel ließ keine Wünsche offen.

Rühmliche Ausnahme war als Gast Pianist Ulrich Rademacher, der eine allgemein verständliche kurze Einführung zu Maurice Ravels „Chansons madécasses“ (1926) für Mezzosopran, Flöte, Cello und Klavier hielt. Er, Peppel und Cellistin Susanne Müller-Hornbach beeindrucktem mit einem sensiblen und mitatmendem Spiel. So konnte Sopranistin Annette Kleine ihre Partien in aller Ruhe gestalten, die stimmungsvollen Klangbilder spannend nachzeichnen.

Nicht ganz so ausgeglichen kamen dagegen vier Lieder für Bariton und Klavier aus der Feder von Johannes Brahms von der Bühne. Denn Matthias Minnichs Bariton war nicht immer tragfähig und gerade in der höheren Lage manchmal etwas unausgewogen.

Die Sonate für Cello und Klavier von Frederick Delius, 1916 entstanden, präsentierte Celloprofessorin Müller-Hornbach tief ausgelotet. Auch die Begleiter am Flügel – Yuka Schneider, Olga Ryazantceva, Ulrich Deppe, Martin Schmalz – überzeugten dank ihrer gehaltvollen pianistischen Fähigkeiten.

Dementsprechend frenetisch war der Schlussapplaus.

Mehr von Westdeutsche Zeitung