1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Wuppertaler Musiklehrer geben im Internet Tipps fürs Instrumentenspiel

Unterrichtet : Video-Konferenz mit Musiklehrer

Weil die Bergische Musikschule wegen des Coronavirus geschlossen ist, verlagern die Dozenten den Unterricht ins Netz.

Die Etagen im Kolkmannhaus an der Hofaue in Elberfeld sind verwaist. Am Montag traf sich das Leitungsgremium der Bergischen Musikschule ein letztes Mal, um zu überlegen, wie es jetzt weitergeht, nachdem die Einrichtung am Wochenende von der Stadt stillgelegt worden war, um die Coronavirus-Gefahr zu reduzieren. Die 180 Lehrer und die Mitarbeiter aber bleiben sehr aktiv – im Home Office basteln sie an alternativen Unterrichtsmethoden, die die Schüler auf digitalem Wege erreichen. Analog goes digital. Auch wenn auf die Angebote manchmal noch durch einen Telefonanruf aufmerksam gemacht werden muss.

Dann kommt der
Unterricht eben zum Kind

Ein alltägliches Geschehnis gewinnt eine andere Qualität. Und Zeit, damit umzugehen: Was tun, wenn Kinder nicht zum Unterricht kommen? „Wir haben am Montag die Kollegen angemailt und gebeten, kreativ zu sein, zu überlegen, was sie tun können“, erzählt Ursula Slawig, die die Bezirksstelle in Vohwinkel leitet und nun mit den Fragen von Eltern konfrontiert ist, die wissen wollen, was die Musikschule statt einem dreiviertelstündigen Zweier-Unterricht im „Klassenzimmer“ an musikalischer Bildung anzubieten hat. Antwort: eine ganze Menge. Es wird gesammelt, ausgetauscht, weitergeleitet, vieles ist schon auf der Homepage abrufbar, zum Anschauen und Herunterladen. Ein Ende ist nicht abzusehen. Slawig: „Wir haben ja genug Zeit, uns etwas zu überlegen.“

Da wird Einzelunterricht jetzt über Videotelefonie erteilt. Vorausgesetzt, die Eltern haben ihr Einverständnis gegeben. Über eine Leitung, die zu den Schülern geschaltet wird, werden per Video Übungstipps gegeben, Töne und Rhythmus erklärt. Die Schüler spielen ihre Hausaufgaben vor, die Lehrer korrigieren und versuchen, so gut es geht, den Unterricht online zu gestalten. Kinder, so Slawig, „finden das klasse, spannend und ‚mal was anderes’“. Sie seien aufmerksam und die Eltern dankbar, dass die Kinder zuhause eine sinnvolle Beschäftigung haben.

Kinder und Eltern finden es spannend und sinnvoll

Eigentlich wollte Timon Landen am kommenden Samstag im Kolkmannhaus am Klavier sitzen und vor Publikum Werke von Alexander Skrjabin und Franz Schubert spielen. Nun nimmt er sein Konzert als Video auf und gibt zusätzlich online eine „master class“. Darin analysiert er Stücke und zeigt verschiedene Interpretationsmöglichkeiten auf.

Damit Schüler eine Begleitung zu ihren Stücken bekommen, spielen die Lehrer eine Playback-Version ein, zu der die Kinder zu Hause spielen beziehungsweise üben können. Ein „musikalisches Kreuzworträtsel“ wird erarbeitet, das auf unterhaltsame Weise Musikwissen vermittelt.

Für die jüngeren Kinder werden auf YouTube Lieder eingespielt (wobei die Dozenten ihr ganzes und erstaunlich gutes Entertainment-Vermögen aufbieten), Bastelanleitungen für Instrumente eingestellt und Bewegungsspiele aufgelistet. „Wir tragen in dem Kanal Dinge zusammen, die man tun kann.“ Selbst die „SingPause“, in der Musik- und 14 Grundschulen zusammenarbeiten und die am 26. Mai zusammen mit den JeKits-Kindern zwei Konzerte in der Historischen Stadthalle geben wollten, macht nicht einfach Pause. Nun werden einzelne Lieder aufgenommen, an die Lehrer geschickt, die sie wiederum im digitalen Unterricht mit ihren Schülern verwenden können.

Gesammelt werden außerdem auch interessante Links zu musikalischen Angeboten im Netz. Etwa die WDR-Übersicht Musik (mit Themen wie Beethoven, WDR-Familienkonzert, Sing, sing - Mitsingkonzert), der Podcast „DoReMikro“ des Bayerischen Rundfunks; die „Digital Concert Hall“ der Berliner Philharmoniker, ein kostenloses Angebot mit vielen Konzerten zum Hören und Schauen und einem Education-Programm.

Musikunterricht geht digital. Slawig: „Wir wollen auf jeden Fall unseren pädagogischen Auftrag erfüllen und den Kinder etwas geben.“