Ball der schönen Künste: Wuppertaler Kulturschaffende bieten eine fulminante Leistungsschau

Ball der schönen Künste: Wuppertaler Kulturschaffende bieten eine fulminante Leistungsschau

Die Stadthalle tanze, lachte, lauschte. Der Ball der schönen Künste präsentierte sich in neuem Gewand. Und das Sinfonieorchester betrat ungewohntes Terrain.

Der Begriff „fulminant“ ist nicht übertrieben für das, was die Wuppertaler Bühnen und das Sinfonieorchester ihren Freunden am Samstag in der Historischen Stadthalle geboten haben. Fulminant war das Programm und fulminant war dessen Darbietung, weil sichtbar und spürbar alle Protagonisten ihre helle Freude daran hatten. Veranstaltet vom Verein der Freunde der Wuppertaler Bühnen und des Sinfonieorchesters, mitgestaltet von den Intendanten der Sparten Schauspiel, Oper und Orchester, war ein Programm geformt worden, das sich von den Fesseln des Erwartbaren löste.

Nicht Mozart-Opern oder Beethoven-Werke standen im Mittelpunkt der musikalischen Vorträge, sondern Leichteres. Weltbekannte Melodien und Songs aus Musicals von Leonard Bernstein, George Gershwin, Irving Berlin, Jerry Herman und Cole Porter wurden vom Sinfonieorchester unter dem schwungvoll einfühlsamen Dirigat von Johannes Pell mit großer Inbrunst und viel Spielfreude intoniert.

Gaststar Gaines Hall erinnert
an Gene Kellys Glanzzeiten

Das Orchester bildete damit eine wunderbare akustische Plattform für umjubelte Auftritte des Gaststars des Abends. Der US-amerikanische Musicalstar Gaines Hall nutzte die überaus hochwertige Begleitung durch das Sinfonieorchester für Showacts, die, etwa bei „Singin` in the Rain“ augenblicklich an Gene Kelly auf den verregneten Bürgersteigen der Großstadt denken ließen. Später umtanzte Hall revuemäßig Wuppertals Opernstars Ralitsa Ralinova und Sangmin Jeon, die mit dem Gaststar sehr gekonnt und zu Recht mit viel Applaus bedacht das Showbusiness besangen.

Für Peter Vaupel, den Vorsitzenden des Fördervereins, hat sich mit dem großen Zuspruch in der sehr gut besuchten Historischen Stadthalle einmal mehr bestätigt, dass solche Bälle gut sind für Wuppertal, „Wir sind der Meinung, dass die Zeit der großen Bälle noch nicht vorbei ist“, sagte er und kündigte an, dass die Tradition fortgesetzt werde. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil der Reinerlös der Veranstaltung den städtischen Bühnen und dem Orchester zugute kommt.

Reinerlös für städtische Bühnen und Sinfonieorchester

Was Wuppertal an seiner Kultur hat, bewies auch das Schauspielensemble um Intendant Thomas Braus. Abgesehen davon, dass Braus seinem großen komödiantischen Talent frönte und als schwäbischer Hausmeister Pfeiderle sehr kurzweilig durch das Programm führte, war die dadaistische Performance der Gedichte „Anna Blume“ von Kurt Schwitters und „Das blaue Klavier“ der Expressionistin Else Lasker-Schüler ein sehens- und hörenswerter Kontrast zur angenehmen Leichtigkeit der musikalischen Vorträge. Die Frage nach dem Sinn des Seins passte zwischen Musical- und Walzerklänge.

Zu letzteren schwebten Paare der Tanzschule Schäfer übers Parkett und motivierten die Gäste im Saal und auf der Galerie erfolgreich, es ihnen gleich zu tun. Dass ein Klangkörper wie das Sinfonieorchester dazu den Dreivierteltakt zelebrierte, ist vermutlich nicht selbstverständlich, adelte die Wiener Walzerklänge aber unüberhörbar.

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