1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Wuppertaler Galerie: Landschaften aus Kleisterfarbe

Ausstellung : Landschaften aus Kleisterfarbe

Die Malerin Susanne Meier zu Eissen-Rau nimmt sich Zeit für ihre Bilder. Schon der Trocknungsprozess der verschiedenen Schichten erfordert Geduld.

Das „Waldstück im Abendlicht“ fällt ins Auge, wenn man die Galerie betritt. Auf der Leinwand hat die Malerin aus einer gekonnten Mischung von Farben, Zeichenkohle und selbstgemachter Kleisterfarbe ein stimmungsvolles Bild geschaffen, das den späten Sommer zeigt, den beginnenden Herbst bereits spüren lässt. Die Malerin Susanne Meier zu Eissen-Rau nimmt sich Zeit für ihre Bilder. Schon der Trocknungsprozess der verschiedenen Schichten erfordert Geduld. Auch bei ihren Spaziergängen durch die Natur nimmt sich die Künstlerin Zeit. Sie geht dem, was sie sieht, genauer auf den Grund. Kleine flüchtige Momente geben ihr den Impuls, ein Bild zu malen. So gelingt es ihr, aus Bäumen, Schnee, Tauwetter und wechselnden Temperaturen einen „verzauberten Waldspaziergang“ zu schaffen. In den übereinanderliegenden Schichten entstehen Eindrücke von Bewegung, Licht und Tiefe. Manch ein Bild zieht die Betrachter in die Landschaft hinein.

Flüchtige Momente, denen die Künstlerin auf den Grund geht

Alle Bilder malte Susanne Meier zu Eissen-Rau innerhalb der letzten Monate. Vor etwa einem Jahr bezog sie zusammen mit anderen Künstlerinnen und Künstlern den Kunstraum Eckart an der Simonsstraße. Die ersten Ausstellungen sollten gerade anlaufen, als Corona kam. Mit Hoffnung auf die Zukunft plante sie gemeinsam mit Galerist und Künstlerkollege Peter Ryzek ein Jahr im Voraus die Ausstellung „t(h)ree seconds“. Die soll nun nicht verschoben werden, sondern einfach stattfinden. Galerist Peter Ryzek bedauert sehr, dass Ausstellungsbesuche erschwert sind und hofft, dass die Bilder dennoch ihr Publikum finden.

 Der Titel leitet sich ab von den Bäumen, den „trees“, in ihren Naturdarstellungen. Da die Künstlerin immer den Zufall mitmalen lässt, erinnert eines ihrer Bilder in Farbe und Struktur zufällig an das Cover der LP „Seventeen Seconds“ der Band „The Cure“ aus dem Jahr 1980. Auch dort geht es um flüchtige Momente.

 Eine räumliche Fortsetzung findet die Ausstellung im Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Helge Lindh, schräg gegenüber. Dort hängen auf hellgrauem Hintergrund zwei weitere großformatige Arbeiten, und von der Empore blickt, zerfurcht und gut erkennbar, Willy Brandt herunter. Die Künstlerin gab dem Porträt den Titel „Kanzler meiner Kindheit“. Die spannenden Porträts ließ Susanne Meier zu Eissen-Rau entstehen, indem sie als Bildhintergrund unspezifisch Farben auftrug und dann Gitternetze aus Fiberglas, reine Zufallsfunde, leicht schwebend auf das gemalte Bild auflegte. Erst durch das Zusammenspiel der Ebenen entsteht der Eindruck eines Porträts. Die Gesichter erscheinen unterschiedlich lebendig, je nachdem aus welchem Blickwinkel und bei welchem Lichteinfall sie betrachtet werden. Beethoven schaut mal streng, mal gütig, und im Bild „Remember“ ist Mick Jagger mit wechselnder Leidenschaftlichkeit zu sehen. 

Die Ausstellung in der Galerie „ryzek: Wort und Bild“, Obergrünewalder Straße 13 und 10, ist bis zum 14. Mai zu sehen. Besuche sind nur nach den jeweils aktuell gültigen Corona-Regeln möglich.   Info im Vorfeld über: peter@ryzek.de