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Wuppertaler Bühnen stellen ihre Spielpläne für 2021/22 vor

Präsentation : Viele Nachholtermine und Schmankerl

Wuppertaler Bühnen stellen ihre Spielpläne für 2021/22 vor.

Spielplanvorstellungen sind „business as usual“ – nicht so im zweiten Corona-Jahr. Umso stolzer sind die Wuppertaler Bühnen, nun ihre Vorhaben für 2021/22 präsentieren zu können. Dabei spielte am Montag in der glanzvollen Kulisse des Mendelssohn Saals der Stadthalle die Coronakrise nach wie vor kräftig mit. Nicht nur bei der ersten Spielzeithälfte, die bewusst für Pandemiebedingungen geplant wurde.

Mit dabei war der neue Generalmusikdirektor (GMD) Patrick Hahn, der „musikalische Schmankerl und renommierte Platzhirschen“ anbietet; Schauspielintendant Thomas Braus, der die frisch eroberte digitale Bühne ausbaut und ein Mammutprogramm absolviert; und Opernintendant Berthold Schneider, der wie Braus vieles aus der verkorksten Saison 20/21 nachholen will und zwei Uraufführungen verspricht.

Endlich wieder vor
Publikum auftreten

Die „Amtseinführung“ verlief nicht nach Maß, ein gemeinsames Konzert mit seiner Vorgängerin Julia Jones open Air auf dem Laurentiusplatz blieb Theorie. Nun konzentriert sich der 26-jährige Patrick Hahn auf das „Licht am Ende des Tunnels“ in seiner ersten Spielzeit, darauf, endlich wieder gemeinsam mit dem Publikum Konzerte zu erleben.

Gestaltet hat er das Programm zusammen mit dem scheidenden Orchestermanager Benjamin Reissenberger. Es umfasst sieben Sinfoniekonzerte, interessante Gäste und die Fortführung bewährter Formate wie „Uptown Classics“ und des Education-Programms mit den Familienkonzerten.

Bei der Auswahl der Komponisten werden feste Größen wie Bruckner (Sinfonie Nr.4 Es-Dur), Beethoven (Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92), Mahler (Sinfonie Nr. 9) oder Strauss (Alpensinfonie im Antrittskonzert am 1. September) mit solchen gemischt, deren Werke „in den letzten 20 Jahren in Wuppertal nicht gespielt wurden“, erklärt Hahn. Besonders am Herzen liegen ihm da Charles Ives (2. Sinfonie), „einer der interessantesten Komponisten des 20. Jahrhunderts“, und Alfred Schmittke (Concerto Grosso Nr. 1) mit seiner „spektakulären, spannenden Musik“. Er selbst dirigiert sechs von zehn Konzerten. Und er wirkt auch an zwei Opernproduktionen mit.

Ansonsten freut sich Hahn auf Dirigenten wie Carl St. Clair, Risto Joost, Elias Grandy, Anu Tali, Gregor Meyer und Andreas Spering. Erstmals nach Wuppertal kommen die Sopranistin Marlis Petersen und der Bariton Thomas Hampson, Gastauftritte haben die Solisten Alban Gerhardt (Violoncello), Noa Wildschut (Violine), Lucienne Renaudin Vary (Trompete), Anna Tsybuleva (Klavier) und Eldbjørg Hemsing (Violine).

Thomas Braus hat sich besonders viel vorgenommen, was der mehr oder weniger ausgefallenen Spielzeit 20/21 sowie der Digitalisierung geschuldet ist. So sollen Podcasts, der Schulstream zu „Robin Hood“ und „Schnappschüsse“ fortgeführt werden, eine Streamingvariante von „Die Weber“ sowie ein Förderprojekt zur Diversität im Theater, das mit TikTok arbeitet, hinzukommen.

Die unter Coronabedingungen erstellten Produktionen „Café populaire“, „Der Fiskus“, „Dantons Tod“ und „Die Waisen“ (Eröffnung der Spielzeit am 21. August) sollen endlich gezeigt werden. Hinzu kommen fünf Wiederaufnahmen („Der Tod eines Handlungsreisenden“, „Romeo und Julia“, eine Neuauflage von „Nightradio“, das Klassenzimmerstück „Out!“, „Dante“) sowie „Schnappschüsse“ und die zum Engelsjahr gedachten Beiträge. Außerdem wird ein Puppentheater entwickelt.

Bei den Neuproduktionen steht Goethe mit „Faust“ am Anfang und mit „Stella“ am Ende. Dazwischen das Kammerspiel „Weibsteufel“ von Karl Schönherr, das Familienstück „Schneewittchen“, Shakespeares „Sommernachtstraum“ und als deutsche Erstaufführung Gabriel Calderóns „Ex. Mögen die Mitspieler platzen“, eine mit schwarzem Humor erzählte Familienfeier. Bei den Regisseuren setzt Braus auf bewährte externe wie interne Kräfte.

Patrick Hahn: Operndebüt
mit Wagners „Tannhäuser“

Die Zeit der Bühnen-Entbehrung war lang und hart. Das Spielzeitheft, das sich diesmal der Plakatkunst bedient, ist umso lebhafter. Schneider eröffnet die Opernsaison mit Händels Großoper „Julius Caesar“, einer Art „barockem House of Lords“ (11. September). Es folgt eine gemeinsame Auftragsarbeit mit dem Theater Klagenfurt, „Il canto s’attrista, perché?“ des bekannten Italieners Salvatore Sciarrino, der sich hier auf „Orestie“ von Aischylos fokussiert. Ende 2020 fertiggestellt war „Die Piraten“ von Gilbert & Sullivan unter der Regie von Cusch Jung. Nun soll die Operette mit ihrem abgründigen Humor endlich aufgeführt werden.

Patrick Hahn gibt sein Operndebüt mit Wagners „Tannhäuser“ am 6. März, eine große Chor-Oper und Herausforderung, die sicherlich das Interesse des Publikums findet“, erklärt Schneider. Außerdem dirigiert der neue GMD den Doppelabend mit dem „phänomenalen Vorspiel“ aus „Ariadne auf Naxos“ und Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“, die wie auch das Stück für alle ab zwei Jahren „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ nach Wolf Erlbruchs Kinderbuchklassiker, nachgeholt wird.

Die dritte Produktion aus der „NOperas!“-Serie, „Obsessions“ der „Oblivia Working Group“, und das Festival „Sound of the City“, das unter dem Titel „Wuppertal kämpft!“, Kampfsportarten und aktuelle musikalische Stilrichtungen zusammenbringt, beschließen das Programm. Bis 2025 verlängert werden konnte das Opernstudio, das den Nachwuchs fördert.