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Wuppertaler Bühnen: „Der Irrsinn spielt sich in den Köpfen ab“

Wuppertaler Bühnen: „Der Irrsinn spielt sich in den Köpfen ab“

Generalintendant Gerd Leo Kuck bringt „Amphitryon“ in Remscheid heraus.

Wuppertal. Vorfreude macht unvorsichtig. Deshalb kann sich selbst ein Generalintendant kaum beherrschen. Und wenn Gerd Leo Kuck schon erwartungsvoll über "Amphitryon" spricht, verrät er auch gleich, dass da noch mehr zu erwarten ist: "In der nächsten Spielzeit liegt ein Schwerpunkt auf der Antike."

Mit "Amphitryon" tourt er durchs bergische Bühnenland: Am 5. April bringt er seine neue Produktion im Teo Otto Theater heraus, am 9. April geht das Lustspiel von Heinrich von Kleist in Solingen über die Bühne, am 26.April ist die Inszenierung erstmals im Schauspielhaus an der Kluse zu sehen.

"Amphitryon" soll also nicht zuletzt eine Art Appetizer sein. Vor allem aber ist es ein "wunderbares, tiefes und sehr komisches Stück", schwärmt Kuck, der in den Vorjahren bereits dafür gesorgt hat, dass "Der Snob" und "Torquato Tasso" im Teo Otto Theater Premiere hatten. "Dass es nun wieder ein klassischer Text ist", freut ihn "ganz besonders".

Und noch einer scheint auf Remscheid abonniert zu sein: In allen drei Kuck-Produktionen spielt Thomas Braus eine Rolle - diesmal sogar eine göttliche. Als Göttervater Jupiter ist er auf irdisches Vergnügen aus, besucht Alkmene, die Gattin von Amphitryon, und erlebt (in der Gestalt ihres Mannes) eine ausgedehnte Liebesnacht mit ihr.

Optisch unterstreicht Kuck die Komik der Verwandlung und Verwechslung übrigens nicht. Seine Figuren pflegen einen individuellen Kleiderstil. "Der Irrsinn spielt sich nicht durch äußere Veränderungen, sondern allein im Kopf der Zuschauer und der Schauspieler ab", verrät Kuck.

Wer griechische Säulen oder eine Toga erwartet, sucht sie vergeblich. Denn Kuck setzt auf einen zeitlos-modernen Raum. Am Götter-Stück nach Molière, das schon Schriftsteller Thomas Mann "als geistreichstes, tiefstes und schönstes Theaterspielwerk der Welt" in den Himmel gehoben hat, reizt ihn die durchaus verwirrende Botschaft, "dass man sich selbst nicht mehr trauen kann": "Dieser Wahnsinn ist spannend."