1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Wuppertaler BBK Druckwerkstatt lädt zum Tag der Druckkunst ein

Kultur : Tradition mit Kreativität lebendig halten

Mit viel Kreativität und großer Experimentierfreude sind 13 bergische Künstlerinnen und vier Künstler ans Werk gegangen.

Mit viel Kreativität und großer Experimentierfreude sind 13 bergische Künstlerinnen und vier Künstler ans Werk gegangen. In den Räumen der Projektgruppe Druckgrafik Bergisch Land, einem alten Schieferhaus, zeigen sie, was sie in der Tradition der handwerklichen Drucktechnik des Holz- und Linolschnitts, der Radierung und Lithografie, des Stempel- und Schablonendrucks erschaffen haben.

 Die Deutsche Unesco-Kommission erklärte 2018 die traditionellen Drucktechniken zum Immateriellen Kulturerbe. Die Projektgruppe Druckgrafik, beheimatet im BBK (Bund Bildender Künstler), will die vielfältigen Möglichkeiten dieses Erbes in ihrer Spannbreite zeigen. Deshalb beteiligt sich die Gruppe zum dritten Mal am bundesweiten Tag der Druckkunst, der am 15. März stattfindet.

Viele, auch innovative Ausdrucksmöglichkeiten

„Wir verwenden alte, traditionelle Drucktechniken und möchten sie zeigen und lebendig halten“, sagt Teresa Wojciechowska und zeigt ihre Arbeiten unter dem Titel „Ich und Ich. 100 Tage Einsamkeit“. Die Besucher können die Drucktechnik, bei der die Künstlerin analog zu mittelalterlicher Prägetechnik dünne Metallfolien als Schablonen einsetzt, auch anhand der Materialien nachvollziehen, die bereitliegen.

 Mit einer anderen Form des Schablonendrucks arbeitet Ulla Riedel, deren Bilder aus lochkartenartig geschnittenen und gegeneinander verschobenen Schablonen entstehen. Die Bewegungen der Druckwalze erscheinen „eingefroren“ in organische Formen und werden durch übereinanderliegende Farbschichten lebendig.

 Die Anwendung der traditionellen Drucktechniken bieten unendlich viele, auch innovative Ausdrucksmöglichkeiten.

Auf Metall, Holz und Linoleum wird gekratzt und geschabt, Steine werden mit Sand geschliffen, Metallplatten in Säure getaucht und vieles mehr.

Bei der diesjährigen Werkschau ‚Druckgrafik 2021‘ werden wegen der Corona-Schutzbestimmungen keine Druckvorführungen zu sehen sein, aber die Künstlerinnen haben Werkzeug und Hilfsmittel bereitgelegt und alles so gestaltet, dass die traditionellen Drucktechniken anschaulich vermittelt werden. Beeindruckend sind die etwa 50 porösen Steine, meist Solnhofer Platten, die für die Lithographie benötigt werden. Bei diesem komplexen Vorgang kann es bis zu einer Woche dauern, bis der fertige Druck vorliegt. Die Steinhandhebelpresse, die vermutlich mehr als 100 Jahre alt ist, hat die Künstlerin Ulla Holtschneider (1944-2016) der Projektgruppe geschenkt. Auch die schweren Steine wurden von ihr und anderen Künstlern „in gute Hände abgegeben“. Mit Unterstützung der Jackstädt-Stiftung konnte so jüngst eine Lithographie-Werkstatt aufgebaut werden.

 In diesen Räumen können die Besucher spüren und erleben, dass die traditionellen Drucktechniken sehr lebendig sind und keineswegs vom digitalen Druck verdrängt wurden. Der Inhaber der Druckerei Riedel, deren Betrieb im Hinterhaus liegt, bot den bergischen Druckkünstlerinnen 2017 an, die Räume zu mieten. Seitdem ist hier eine Kreativwerkstatt [LI1] und der ideale Ort für den künstlerischen Austausch, auch wenn die meisten Künstler überwiegend in ihren eigenen Ateliers arbeiten.

 Aus den gemeinsamen Ideen der Gruppe entsteht jedes Jahr auch ein Kalender, der 2020 freilich nur digital geplant werden konnte. Der Gedankenaustausch funktionierte gleichwohl und so entstanden für 2021 13 individuelle Druckgraphiken unter dem Titel „was da ist“. Sie zeigen, was die Gruppe der Vereinsamung und Entmutigung des vergangenen Jahres entgegenstellt. Bisher war die Vorstellung des Kalenders immer mit einer Ausstellung verbunden. „Das hat auch im September 2020 geklappt und war wirklich ein Glücksfall“, sagt Tati Strombach-Becher, die spannungsreiche Radierungen ausstellt und sich in der Druckwerkstatt auch der Lithografie widmet. Auch für 2022 ist der Kalender, der achte insgesamt, geplant. Er trägt den zeitgemäßen Titel „drunter und drüber“‘.