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Wuppertaler B7 Improtheater: Gags und Tiefgang in guter Balance

Kultur : B7 Improtheater: Gags und Tiefgang in guter Balance

Ausverkaufter Gastauftritt im und zugunsten des Taltontheaters.

„Alles nur Kulisse?“ fragte das B7 Improtheater am Wochenende. Die Antwort gaben die lauthals lachenden Zuschauer. Denn so schmuck die Kulissen des Taltontheaters (TTT) auch sind – Hauptattraktion waren natürlich die Stegreif-Darsteller, die Publikumsideen treffsicher in Gags verwandelten.

Üblicherweise tritt das B7-Ensemble ja in der Börse auf. Dass Martin Linke und seine Mitspieler erstmals die TTT-Bühne nutzten, lag nicht nur an deren Ausstattung. Die Premiere sei eine Benefiz-Veranstaltung, erklärte Linke. Unter dem Motto „Kultur erhalten“ gingen die Einnahmen des Abends in voller Höhe an das Theater. Die Pandemie hat das Haus von Jens Kalkhorst – wie so viele freie Bühnen – hart getroffen. Und mit dem November-Lockdown steht die nächste Belastungsprobe vor der Tür.

Schutzmaßnahmen trübten
nicht die Spiellaune

Am Corona-Thema kamen auch die Improvisatoren nicht vorbei. Schon weil sie Face Shields trugen – die Mimik war also gut zu sehen – und sich nur mit den Ellenbogen begrüßten. Die  Maßnahmen trübten zum Glück nicht ihre Spiellaune. Die war zum Beispiel gefordert, als Niklas, Sven und Uli ein „schwindendes Ensemble“ darstellten. Wer von ihnen sich wann aus der Szene verabschiedete, entschied das Publikum. Übrig blieb Niklas, der neben seinem Part auch den seiner Kollegen übernahm – bis hin zu typischen Gesten und Bewegungen.

Wie viel das Ensemble mit Bühnenbild und Requisiten anfangen konnte, bewies die improvisierte „Langform“. In dieser Szenenfolge bezogen drei Paare nacheinander ein Hotelzimmer. Der Charakter ihrer Beziehung ließ sich bereits daran ablesen, ob sie die Betten zusammen- oder auseinanderschoben. Zum zentralen Gegenstand aber wurde der Kleiderständer, um den Martin – schwungvoll begleitet von Keyboarder Robert – herumtanzte. Dabei wollte er einfach zeigen, womit seine Figur während des letzten Lockdowns Geld verdient hat – mit „Pole Dance“, sonst eine Spezialität von spärlich bekleideten Tänzerinnen. Großes Gelächter im Saal.

Vielleicht lag es an den besonderen Umständen, dass andere Szenen an die Substanz gingen. Da entwickelte sich ein feucht-fröhlicher Junggesellenabschied zu einem intensiven Gespräch – über die lang gehüteten Geheimnisse, die die Zuschauer den Figuren vorab zugesprochen hatten. Wie die Dialogpartner Niklas und Sven die Balance zwischen Humor und Tiefsinn hielten, war einfach beeindruckend.

Das B7 Improtheater überrascht einen eben immer wieder. Wenn nichts dazwischenkommt, geht es am 4. Dezember weiter. Dann will die Truppe ihre Weihnachtsshow auf die Bühne der Börse bringen.