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Wuppertal: Partita Radicale setzt Schwarzbach-Fotos in Musik um

Kultur : Partita Radicale setzt Schwarzbach-Fotos in Musik um

Die Aufführung in der Färberei kam gut beim Publikum an.

Bevölkerungsreichster Teil des Bezirks Oberbarmen, hohe Zahl an Einwandererfamilien – die Fakten über das Quartier Schwarzbach lassen sich leicht aufzählen. Was das Viertel ausmacht, ist nicht so einfach zu fassen. Dieser Aufgabe hat sich der Künstler Marc Strunz-Michels gestellt. Seine Fotos zeigen das Grau und die Farben der Straßenzüge, das Außergewöhnliche im Alltäglichen.

Dass die Fotoserie auf der Bühne funktioniert, beweist das Ensemble Partita Radicale. Beim Schwarzbach-Programm unterlegen Violinistin Gunda Gottschalk und ihre Kolleginnen Strunz-Michels‘ Bilder mit experimentellen Klängen. Dahinter steht die Idee, im Engelsjahr einen Stadtteil „der unteren Zehntausend“ zu würdigen – mit einem einmaligen, weil improvisierten Soundtrack.

In der Färberei, also mitten im Quartier, fand die zweite Aufführung des Programms statt. Die war Partita Radicale schon deshalb wichtig, weil bei der Premiere wegen der Pandemie nur eine kleine Zuhörerzahl erlaubt war. Im Saal der Färberei fanden nun die Interessierten einen Platz, und von Akkordeonspielerin Ute Völker kamen beruhigende Worte. Dank der Hygieneregeln sei die Ansteckungsgefahr im Konzert viel geringer, als wenn man zu Hause eine Party feiere.

Die aktuelle Lage prägt natürlich auch die Motive, die auf der Leinwand erschienen. Liegengelassene Schutzmasken gehören zu den Gegenständen, die Strunz-Michels auf seinen Viertel-Erkundungen fotografiert hat. Ebenso unübersehbar sind an Wände gesprühte Slogans wie „Stoppt Corona!“. Die Abfolge von Details begleiteten die Musikerinnen mit einem Wechselspiel, in dem Dissonanzen heftig aneinander rieben.

Es folgten Aufnahmen, in denen der Künstler den wolkenlosen Himmel über Oberbarmen eingefangen hat. Dazu zwitscherten die Flöten von Karola Pasquay und Ortrud Kegel, als wollten sie das sommerliche Blau mit Singvögeln bevölkern. Beeindruckend waren auch die vielfältigen Landschaften. Man vergisst schnell, dass Schwarzbach nicht bloß Innenstadt ist. Nein, hier gibt es Autobahnzubringer und Wald, Fachwerkhäuser und Kuhweiden.

Eine weitere Serie hat Strunz-Michels der Vielfalt der Ladenlokale gewidmet. Cafés, Imbisse und Lebensmittelläden erzählen Geschichten von Zuwanderung und Heimischwerden. Diese Buntheit setzte das Quartett auf der Bühne um, indem es sein Klangspektrum variierte und erweiterte. Synthesizerklänge wurden ins Spiel integriert, und die beiden Flötistinnen sprachen und lachten sogar in ihre Instrumente hinein.

Seine Freude hatte auch das Publikum, das immer wieder kräftig applaudierte.