Wuppertal-Krimi: Tatort Sambatrasse

Literatur : Wuppertal-Krimi: Tatort Sambatrasse

Elke Bardenhagens erster Roman spielt in Cronenberg.

Februar 1988 in Cronenberg: Die Burgholzbahn unternimmt ihre letzte Fahrt und Anne, eine der Passagierinnen, verschwindet spurlos. Ihre Schwester Linda macht sich auf die Suche und kommt dabei mehr als einmal der Kriminalpolizei in die Quere. Schließlich muss sie feststellen, dass sie nicht nur ihre Schwester Anne nicht so gut kannte wie gedacht: Lindas gewohntes Leben scheint wie eine Fassade einzustürzen. Mit „Letzte Spur Samba-Bahn“ erschien diesen Sommer Elke Bardenhagens Romandebüt als E-Book. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung in diesem Jahr ist keineswegs zufällig gewählt: Im Februar jährte sich die Stilllegung der Stichbahn „Cronenberger Samba“ zum 30. Mal.

Die Autorin stammt ursprünglich aus Niedersachsen, hat aber fast zehn Jahre in Wuppertal gelebt. Bei einer Wanderung durch die Gegend um Burgholz Anfang der 2000er Jahre sei ihr die gespenstische Atmosphäre der damals noch unbenutzten Schienenstrecke der heutigen Sambatrasse aufgefallen. „Dieses Verlassene, Verwilderte hatte so etwas Geheimnisvolles. Und dann hatte ich die Idee: Was wäre, wenn hier jemand verschwunden wäre?“ Obwohl ihr der Ort ideal für das Geschehen erschien, habe sich der Plot zunächst nur langsam entwickelt. Doch sobald sie ihre Figuren klar im Kopf hatte, vom Aussehen bis hin zu Charaktereigenschaften, habe die Handlung schnell an Eigendynamik gewonnen: „Ich habe mich manchmal gefühlt wie ein Zuschauer vor einer Kinoleinwand“, gesteht sie. „Dann haben die Figuren auf einmal Dinge getan, ohne mich zu fragen!“

Auch wenn es sich um einen Kriminalroman handle, sei es kein blutrünstiges Buch, so Bardenhagen. Wichtiger sei ihr eine unheimliche Atmosphäre gewesen, die beim Leser eine Erwartungshaltung erzeugen soll: „Man fragt sich ständig, Was passiert jetzt? Und dann passiert vielleicht gar nichts Großes, aber es hat sich doch etwas getan.“

Das Schreiben als
Rückkehr nach Wuppertal

Für ihre Recherche hat Elke Bardenhagen unter anderem mit Kriminalbeamten darüber gesprochen, wie sich die Suche nach vermissten Menschen gestaltet – auch wenn sie davon einiges für ihren Roman zurechtbiegen musste. „Ich denke, mein Kommissar arbeitet schon unkonventionell.“ Es gehe nicht vorrangig um Polizeiarbeit, sondern um Lindas Seelenzustände als Beispiel für die vielen Fragen, die Angehörige von Vermissten umtreiben. So ist die Protagonistin unzufrieden mit der Arbeit der Polizei, der jedoch in vielen Situationen die Hände gebunden ist. „Schließlich darf sich jeder erwachsene Mensch aufhalten, wo er will“, so Bardenhagen.

Ihr Romandebüt in Wuppertal spielen zu lassen, habe für sie einen therapeutischen Effekt gehabt, erzählt Bardenhagen: „Das Schreiben ist für mich auch ein bisschen Zurückkehren. Wuppertal ist ein Sehnsuchtsort für mich und da gedanklich durchzureisen, das ist großartig!“ Auch eine Lesung des Romans in Cronenberg würde sie in Zukunft gern abhalten. Trotzdem sei ihr Krimi kein Heimatroman: „Ich glaube, dass dieser Regionalbezug gar nicht so wichtig ist, außer natürlich für die Menschen, die diese Orte kennen.“ Einige davon hat Elke Bardenhagen während ihrer Recherche noch einmal besichtigt, um den genauen Verlauf der Samba-Strecke nachvollziehen zu können. Mit dem Ergebnis ihrer Arbeit ist die Autorin zufrieden: „Ohne arrogant klingen zu wollen: Ich liebe dieses Buch. Ich habe richtig in dieser Welt gelebt.“ Und davon verabschieden will sich Elke Bardenhagen noch lange nicht: Eine Fortsetzung ist bereits in Arbeit. Und so viel verrät die Autorin schon: Beim nächsten Mal geht es um Feuer.

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