Historische Stadthalle Khatja Buniatishvili begeistert beim Klavierfestival Ruhr

Wuppertal · Khatja Buniatishvili hatte Ihren großen Auftritt beim Klavier-Festival Ruhr in der Historischen Stadthalle in Wuppertal. Das Publikum war am Ende begeistert.

Khatja Buniatishvili begeisterte in der Historischen Stadthalle.

Khatja Buniatishvili begeisterte in der Historischen Stadthalle.

Foto: Peter Wieler

Khatja Buniatishvili,geboren in Georgien, seit einem Jahr Mutter einer kleinen Tochter, hatte Ihren großen Auftritt beim Klavier-Festival Ruhr in der Historischen Stadthalle in Wuppertal. Die inzwischen 36-jährige Pianistin ist regelmäßig bei führenden Orchestern weltweit zu Gast, gastiert mit Rezitalen in den wichtigen Konzerthallen der Welt. Nun war sie im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr 2024 in Wuppertal zu Gast. Das Publikum in der ausverkauften Stadthalle war am Ende begeistert, lieferte frenetischen Beifall und bekam als Dankeschön zwei Zugaben von Bach (Adagio BWV 974) und Liszt (2. Ungarische Rhapsodie) zu hören.

Dieser Abend hatte einige Besonderheiten aufzuweisen, die aus dem Rahmen herkömmlicher Solokonzerte fallen. Man kann darüber streiten, ob die Performance, die die Pianistin ablieferte, den Erwartungen und ästhetischen Ansprüchen der hier dargebotenen Kompositionen gerecht wird. Es kamen fünf Werke zur Aufführung: „Präludium und Fuge a-Moll“ von Bach/Liszt, die beiden Beethoven-Sonaten „Nr. 17 d-Moll op.31/2-Der Sturm“, und „Nr.23 f-Moll op.57-Appassionata“, dann Mozarts „Sonata facile C-Dur KV545“ und am Ende die „Ungarische Rhapsodie Nr.6 Des-Dur“ von Franz Liszt. All diese Werke spielte Buniatishvili nacheinander ohne Pause, wobei Ihre Gestik vermuten lässt, dass sie alle Stücke gerne attacca, also ohne Zwischenapplaus vorgetragen hätte. Diese Idee eines konzertanten „Gesamtkunstwerks“ wurde aber durch das Beifall-freudige Publikum verhindert.

Die Art ihrer Interpretation gibt Anlass, dies kritisch zu sehen, denn eine Besonderheit ist auszumachen: Sie spielte alle Werke, ob Barock, Klassik oder Romantik, trotz unterschiedlicher Epochen-Stile in einer Klangidee. Ihr Spiel war sehr flächig angelegt, die Musik mit viel Pedal in einem immer wieder schwebenden Zustand gehalten, mit häufig extrem leisem Anschlag, sodass man die Endtöne einer Phrase, im ausgeprägten Pianissimo dahin gehaucht, manchmal kaum oder gar nicht mehr wahrnehmen konnte. Zudem wählte sie äußerst schnelle Tempi, wie etwa im letzten Satz der „Sturm“-Sonate oder demonstrierte im Finale der „Appassionata“eine unglaublich rasante, artifizielle Virtuosität, mit Kraft, Energie und Leidenschaft dargeboten. Mit huschenden Bewegungen tauchte sie in Mozarts „Sonata facile“ in eine andere, ganz ungewohnte Klangwelt ein.

Ihr Anschlag
wirkt magisch

Ihre Spielweise klingt so, als würde sie die Musik aus einer sphärisch-entrückten, jenseitigen Welt auf die Erde herabholen. Das wirkt befremdlich und berührend zugleich. Das Faszinierende ihres Spiels ist, dass sie die Fähigkeit besitzt, das Publikum zum Lauschen zu bringen. Ihr Anschlag wirkt magisch. Man mag darüber streiten, ob die Fuge von Bach in einem leisen, silbrig schimmernden, leicht pedalisierten Klang begonnen werden sollte, und ob der romantisierte Klang dem barocken Stil gerecht wird. Die gebrochenen Dreiklänge in Beethovens „Sturm-Sonate“ haben bei Buniatishvili eine sphärisch-entrückte Aura, ohne konturierte Linearität. Dem mit weichen pastellfarbenen Klängen getönten langsamen Satz haftet das Flair eines Trauerzuges an, der sich in immer leisere Himmelssphären entfernt, bis man die letzten Töne kaum oder gar nicht mehr wahrnimmt. Das ist ihre Interpretation, die das Publikum in den Bann zieht.

Diese extremen Klänge sind ungewohnt, werden aber dadurch legitimiert, dass die Pianistin den sphärisch-schwebenden Klang als Grundidee eines inneren Klangwillens zu ihrer persönlichen Interpretation macht. Man könnte argwöhnen, dass sie die Musik von Bach, Beethoven, Mozart und Liszt nicht interpretiert, sondern lediglich benutzt, um ihre persönliche Klangästhetik herauszustellen. Dann stünde der Vorwurf im Raum, sie würde nicht die Tonsprache Beethovens interpretieren, sondern seine Kompositionen zum Ausleben von privaten Gefühlen benutzen. Das sollte die Pianistin Buniatishvili allerdings mit sich selber ausmachen.

Das Festival-Publikum war weitgehend begeistert und fasziniert von den Zauberklängen des Abends, sehr aufmerksam, ausdauernd und geduldig in Anbetracht der pausenlosen, fast eineinhalb Stunden durchgespielten Darbietungen.

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