Wuppertal: Duo mit Spielwitz und Esprit

Musik: Ein Duo mit Spielwitz und Esprit

Martin Helmchen und Frank Peter Zimmermann spielten Beethovens Violinsonaten 8-10.

Wenn sich ein Geige-Klavier-Duo nicht hundertprozentig einig ist, kann so manches daneben gehen. Das Streich- oder Tasteninstrument kann an falscher Stelle dominieren, generell das dynamische Verhältnis zueinander nicht homogen sein. Dann hört man irgendwann auf, klassischen Violinsonaten zu lauschen. Gerade bei Ludwig van Beethovens zehn Werken dieser Gattung sollte genau auf solche Feinheiten geachtet werden. Ansonsten kann es schief gehen. Bei Stargeiger Frank Peter Zimmermann und dem nicht minder bekannten Pianisten Martin Helmchen musste man sich indes keine Sorgen machen. Die letzten Drei dieser Beethoven-Sonaten brachten sie zum Extrakonzert des Klavier-Festivals Ruhr in den so gut wie ausverkauften Großen Saal der Stadthalle und demonstrierten höchst eindrucksvoll, wie detailliert an jeder einzelnen Note gefeilt werden kann.

Dieses Duo ist jung. Denn erst in diesem Jahr haben die beiden Musiker zueinandergefunden, um diese zehn bedeutenden Tonschöpfungen im Laufe von zwei Jahren einzustudieren. Erstmalig traten sie in diesem Sommer im Rahmen des Rheingau Musik Festivals gemeinsam mit den besagten drei Werken öffentlich auf. Ihr Zusammenspiel war aber derart von einem blinden Verständnis füreinander geprägt, als würden sie bereits seit Jahren miteinander musizieren. Das kann nur von einer kongenialen Haltung zu Beethoven herrühren. Selten zuvor hat man eine in allen Belangen austarierte Deutung dieser Opera gehört.

Eine Sternstunde
in Sachen Kammermusik

Detailverliebt, auch wenn es sich nur um ein paar Takte handelte, changierte die dominante Rolle zwischen Zimmermann und Helmchen. So wurde der Wechsel der Hauptstimmen vom Streich- zum Tasteninstrument und umgekehrt - und somit die Kompositionsweise Beethovens - glasklar zum Ausdruck gebracht. Die Partituren wurden so deutlich vor Augen geführt. Absolut gleichberechtigt waren beide Instrumente, gingen eine fantastische Symbiose ein. Dieser Zugang zu den Noten war jedoch keineswegs rein akademisch-durchdachter Natur. Vielmehr strahlte das Duo ungemein viel Spielwitz, Frische und Esprit aus.

Stürmisch-schwungvoll begann die Sonate Nr. 8 in G-Dur, op. 30/3. Flinkes Figurenspiel zeichnete den ersten Satz aus, warme Kantabilität der Binnenteil und schließlich quirlig-kecker Übermut das Finale.

Bei der Sonate Nr. 9 in A-Dur, op. 47 – besser bekannt als „Kreutzer-Sonate“ – wurde noch eins draufgelegt. Wie in der Originalausgabe ausdrücklich vorgeschrieben, spielte sie das Duo wie ein Konzert. Vehement, drängend, vibrierend ging es im Kopfsatz zur Sache, schlichter, die Variationen gewissenhaft ausgearbeitet, im Andante. Brillant, höchst virtuos konzertierend jagte das Finale dahin.

Ganz anders kam die Sonate Nr. 10 in G-Dur, op. 96 von der Bühne. Gefühlvoll-idyllisches Genießen machte sich im Allegro breit, friedvolle Stille im sich anschließenden Adagio. Über die starren Motive des Scherzos und das Trio wurde ein großer Spannungsbogen gezogen, während das vielgliedrige Variations-Finale große Gesanglichkeit ausstrahlte.

Der Abend war eine Sternstunde in Sachen Kammermusik und wird wohl jedem Zuhörer in Erinnerung bleiben. Dementsprechend frenetisch war der Schlussapplaus. Der Dank dafür war als Zugabe das Adagio aus der 3. Violinsonate in d-Moll, op. 108 von Johannes Brahms. Es kam traumhaft schön wie ein Schlaflied daher. Stehende Ovationen waren das Resultat.

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