Witz, Walzerseligkeit und Musik aus der Unterwelt

Witz, Walzerseligkeit und Musik aus der Unterwelt

Schöner Jahresausklang: Der Symphonische Chor Wuppertal hatte zum Silvesterkonzert eingeladen.

Wuppertal. Niedrige Eintrittspreise, bekannte Walzer- und Operettenmelodien, dazu etwas zum Mitmachen und Mitsingen — dieses Konzept geht für Franz Lamprecht und die Rumänische Staatsphilharmonie „Dinu Lipatti“ Satu Mare beim Silvesterkonzert seit 17 Jahren auf und sorgt stets für einen ausverkauften großen Stadthallen-Saal.

Die rumänischen Musiker entwickelten am Freitagabend unter Lamprechts Dirigat satten Orchesterklang und verweilten nicht allzu lange in feinen Piano-Regionen. Kein Wunder, dass Solistin Désirée Brodka, die in diesem Jahr schon in Wuppertaler Weihnachtskonzerten zu hören war, nicht auf ein Mikro verzichten wollte. Sie bezauberte vor allem durch stets neue, aufwändige Garderobe bei jedem ihrer fünf Auftritte, wenn sie Operetten-Lieder von Lehár, Dostal und Johann Strauß sang.

Ihre Sopranstimme war in der mittleren Lage präsent. Höhen erreichte sie mit viel Kraft und Lautstärke. Das Orchester fühlte sich bei den Walzern der Strauß-Dynastie sicher — mit nicht immer ganz sauberen Klängen der Blechbläser. Im russischen Marsch von Johann Strauß (Sohn) zogen einige Musiker Kosakenkappen auf und ließen sich vom herein polternden „Kollegen“ mit (scheinbar) Hochprozentigem abfüllen: Kein Wunder, dass die Musik nur sehr schlapp enden konnte.

Pfeffrig waren dagegen Offenbachs Can-Can aus „Orpheus in der Unterwelt“ und die witzige „Sport-Polka“ von Josef Strauß, bei der die Musiker erst mit Trillerpfeifen-Signal beginnen und enden wollten. Aus dem Rahmen fielen Leroy Andersons „The Syncopated Clock“, in dem „eine Uhr mit Herzrhythmusstörungen“ zu hören ist, wie Moderator Lamprecht launig erläuterte, und „Die Schreibmaschine“ (The Typewriter). Hierfür wurde das alte Schreibgerät feierlich enthüllt und lieferte den Hämmer-Rhythmus, begleitet vom „Schrapp“ des Guiro-Holzes, das den Zeilenwechsel und dem „Kling“ des Glöckchens, das das Zeilenende markierte — unvergessen aus dem legendären Film „Der Ladenhüter“ mit Jerry Lewis aus den 1960er Jahren.

„Ohne Sorgen“ — wie der Titel der gleichnamigen Polka — wünschte der Moderator dem Publikum das neue Jahr und lud es gleich zum „Ha-Ha-Ha“-Chor ein, ebenso wie zum gemeinsam gesungenen Bergischen Heimatlied. Aber natürlich wollten die begeisterten Zuhörer Orchester und Solistin nicht ohne Zugaben gehen lassen.

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