Wise Guys: Lob fürs Publikum

Wise Guys: Lob fürs Publikum

Für die „sachverständigen Wuppertaler“ spielte das Quintett mehr als zweieinhalb Stunden.

Wuppertal. Die altehrwürdige Stadthalle platze aus allen Nähten, als sich Deutschlands wohl beliebtestes A-Cappella-Quintett dort ein Stelldichein gab, um seine jüngste Scheibe „Achterbahn“ vorzustellen. Fans jeder Generation — von Kindern bis hin zu ergrauten jung gebliebenen — pilgerten auf den Johannisberg, um es mit den Jungs so richtig krachen zu lassen. Gleich beim ersten Stück „Achterbahn“ war die Party ohne Anlaufschwierigkeiten in vollem Gang, nahm sie doch mit ihrem rasanten Tempo und Rhythmus Höchsttempo auf.

Mehr als zweieinhalb Stunden lang kochte die Halle. Und weil das Wuppertaler Publikum nach Meinung der „Wise Guys“ ein sachverständiges und kritisches sei, hatten sie auch ein paar ältere Songs mit im Gepäck. Ob Oldies oder neue Reißer: Das textsichere Publikum hielt es nicht auf den Stühlen und sang klatschend bei Knallern wie „Das Sägewerk Bad Segeburg“, „Antidepressivum“, der gnadenlosen Auseinandersetzung mit dem Konzern „Deutsche Bahn“ und „Jetzt ist Sommer“ enthusiastisch mit.

Doch neben der ausgelassenen Heiterkeit wurden auch gedankenvolle, melancholische, ernste Töne angeschlagen. Nach einer verpfuschten Beziehung wurde knallhart mit der Ex ins Gericht gegangen („Nur für dich“). „Immer für dich da“ handelt von der Treue zu jemandem, auch wenn es ihm noch so dreckig geht. Der Song „Dein Blick“ rührte an.

Die Wise Guys schwelgten außerdem in alten Erinnerungen, als es nur drei Fernsehsender gab und die Familie Samstagabends die Show „Am laufenden Band“ schaute. Also nahmen die Sänger die Comicserie „Tom & Jerry“ als Aufhänger zu dem Titel „Buddy Biber“ — man bog sich vor Lachen. Diese Welt, als Helmut Kohl noch nicht Bundeskanzler war, es noch die gelben Telefonhäuschen gab, ist für die liebenswerten Kerle einfach ein besserer Ort gewesen.

Eine Begleitband brauchten Andrea Figallo, Daniel „Dän“ Dickopf, Edzard „Eddi“ Hüneke, Nils Olfert und Marc Sahr („Sari“) wie üblich natürlich nicht. Alles bewerkstelligen sie formvollendet selbst. Bass, Schlagzeug, Gitarre oder Bläser wurden täuschend echt mit ihren Kehlen und Stimmbändern imitiert. Locker ungemein fetzig, aber auch innig-balladesk spielte die Band auf.

Hätte nicht nach der dritten Zugabe der exzellente Tontechniker — die für dieses Genre vertrackte Akustik des Großen Saals hatte er mustergültig im Griff — seinen Musikplayer angeschmissen, hätten die Jubelstürme wohl keine Ende gefunden.

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