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Wie Oper am meisten Spaß macht

Wie Oper am meisten Spaß macht

Intendant Berthold Schneider über seine Pläne, mehr Jugendliche ins Haus zu locken.

Wuppertal. Opernintendant Berthold Schneider hat sein Amt auch mit dem Ziel angetreten, mehr Jugendliche für die Oper zu interessieren. Das „Pulcinella“-Projekt ist Anlass für eine erste Zwischenbilanz.

Herr Schneider, wie kann man Jugendlichen den Reiz der Oper vermitteln?

Berthold Schneider: Ich finde, das betrifft nicht nur die Jugend, sondern Menschen jeden Alters: Oper muss man vermitteln, weil man dann mehr Spaß daran hat. Sicher können sich Neulinge dem einfach aussetzen und mal gucken, was dann passiert. Aber es hat ein höheres Potenzial, wenn man das Umfeld vorbereitet.

Wie wollen Sie das fördern?

Schneider: Der Oper nähert man sich am schönsten, indem man sie selber macht. „Pulcinella“ gehört zu den großen Projekten mit vielen Beteiligten aus Schulen und aus dem Theater. Das Ergebnis wird nichts Abgehobenes sein, sondern kommt direkt aus den Erfahrungen und Lebenswelten der Kinder.

Wie künstlerisch ambitioniert ist das?

Schneider: Sie meinen: Ist das Erziehung oder ist das Kunst? Das ist für uns nicht zu trennen. Am Ende sitzt unser Orchester im Graben — da kommt Kunst heraus. Unsere Sänger stehen auf der Bühne — da kommt Kunst heraus. Die Kinder agieren — da kommt auch Kunst heraus. Die sieht nur anders aus, vielleicht mehr nach Paul Klee als nach Gerhard Richter. Für uns ist das ganz klar ein Kunstprojekt, denn die Fragestellungen sind die gleichen: Was passiert da, was bedeutet das und was hat das mit mir zu tun?

Was macht es so schwierig, mit der Oper Jugendliche anzusprechen?

Schneider: Die gute Nachricht ist: Wir haben überhaupt keine Probleme, diejenigen anzusprechen, die sich für uns interessieren. Aber es ist ein Faden abgerissen, früher gab es mal einen natürlichen Austausch zwischen den Bildungseinrichtungen und dem Theater. Ich schiebe das nicht auf die Schulen, ich stelle das einfach fest.

Die Schulen stehen nicht zuletzt wegen der verkürzten Schulzeit unter Druck, Lernleistungen zu produzieren. Länder wie Finnland zeigen jedoch, dass es auch bei kurzer Schulzeit anders geht.

Schneider: Die Möglichkeit, das Theater für eine ganzheitliche Erziehung zu nutzen, wird hierzulande nicht abgerufen. In vielen Gesprächen mit den Schulen stoßen wir aber auf ganz große Bereitschaft. Wir wollen nun erst mal zuhören, was sie sich von uns wünschen. Es geht darum, eine Zusammenarbeit zu verstetigen, die über Jahre trägt, damit die nachwachsenden Generationen daran teilhaben können.

Die Oper bietet Schulen doch heute schon Workshops zu Produktionen an.

Schneider: Wir haben eine ganze Reihe von Angeboten, die jedoch einzeln nebeneinander stehen. Wir wollen unser Angebot aber passgenau auf die Schulen zuschneiden.

Sie haben im Sommer angekündigt, dass Zuschauer während mancher Aufführungen ihre Eindrücke aus dem Theater posten können. Wie wird das angenommen?

Schneider: Das Angebot starten wir mit „Rigoletto“ im April, weil wir es technisch noch ausbauen.