Wie die Guerilla-Kunst entstand

Wie die Guerilla-Kunst entstand

Ein Buch zeigt die Street-Art-Künstler der mittlerweile schon legendären Kunst-Aktion bei der Arbeit.

Wuppertal. "Es ist zwei Uhr in der Nacht, als die Cops ankommen. Warum brauchten sie so lange, frage ich mich in dieser verregneten Nacht. Dabei hängt doch schon ein 24 Quadratmeter großes Schild von der Schwebebahn. Und der Fotograf JR ist mit seinem hellgelben Regenumhang und der Sonnenbrille nicht eben diskret."

So beschreibt ein Augenzeuge die Ereignisse im August 2006, als 22 internationale Künstler über Nacht ungefragt Street-Art-Werke über Wuppertal verteilten. Über die Ausstellung "Outsides" ist jetzt eine englischsprachige Dokumentation veröffentlicht worden - mit dem Titel "We come at night" ("Wir kommen in der Nacht").

Die "Guerilla-Kunst" getaufte Aktion mit zum Teil blutrünstigen Bildern hatte in Wuppertal zu hitzigen Diskussionen darüber geführt, was die Kunst darf. Riesige Fotos zeigten Schwebebahnfahrer, eine Statue musste aus dem Deewerthschen Garten entfernt werden, da sich Kinder verletzen könnten. Die Polizei ermittelte wegen Sachbeschädigung gegen die anonymen Künstler.

Die Dokumentation blickt hinter die Kulissen, erzählt etwa die amüsante Episode, wie der französische Künstler JR die Polizisten bequatschte, bis sie unverrichteter Dinge wieder von dannen zogen, oder wie Os Gemeos in einem stillgelegten Tunnel eine "Armee der verlorenen Seelen" zeichnete. Die Künstler werden kurz porträtiert und fotografisch und filmisch auf einer beigelegten DVD bei der Arbeit in Wuppertal gezeigt.

Der Graffitisprayer Zevs erzählt selbst, wie er seine "Clean Graffiti Technique" anwandte: "Mein Projekt bestand darin, mit einem Hochdruckreiniger Dreck von den Wänden zu entfernen. So entstehen Linien, ähnlich der Sätze, die man in der Schule als Strafe an die Wand schreiben muss." Die Wuppertaler, die ihn bei der Arbeit sahen, hätten "überrascht, belustigst, enthusiastisch, aber niemals wütend" reagiert.

Wie sich erst Wochen nach der Aktion herausstellte, war die Wuppertaler Guerilla-Kunst von Redbull gesponsert worden. Die Kuratoren meldeten sich bei der WZ und beklagten selbstkritisch die Kommerzialisierung des Projekts.

In der Dokumentation wird der subversive Charakter von Outsides recht selbstverliebt zur Schau gestellt. So lautet der Untertitel: "Eine Straßenkunst-Attacke". "Am Morgen danach wachte Wuppertal auf, um ihre eher graue Stadt von einem unerwarteten Schwall Farbe überzogen zu finden", heißt es im Buch. Provokativ bis zuletzt.

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