Schulkonzert: Wie der „Karneval der Tiere“ die Grundschüler begeistert

Schulkonzert : Wie der „Karneval der Tiere“ die Grundschüler begeistert

Schulkonzert des Sinfonieorchesters Wuppertal vereint Wissen und Vergnügen.

Am Ende „sprechen“ alle durcheinander. Wie das auf Feiern so ist. Die Tiere stehen den Menschen dabei in nichts nach. Auch in Sachen Vergnügen. Die Suite für Kammerorchester „Karneval der Tiere“ des französischen Komponisten Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921) ist so ein Vergnügen. An die 300 Kinder, ihre Lehrer, das Sinfonieorchester Wuppertal um Nicola Hammer, Martin Schacht und Gerald Hacke und die beiden Klavier-Solisten Ayane Tachiki und Alexander Breitenbach genossen es sichtlich. Von der ersten bis zur letzten Minute des Schulkonzerts im Mendelssohn-Saal der Stadthalle.

 Eigentlich dauert das 1886 komponierte Stück mit dem Untertitel „Grande fantaisie“ nur etwa 25 Minuten. Eine Moderation, Mitmach-, Bild- und andere Elemente verlängern es auf eine Stunde, machen es spannender und nachhaltiger. Skizzen zum Karneval aus seiner Zeit als Klavierlehrer hat Camille Saint-Saëns verarbeitet. Instrumente imitieren Tiere, der Komponist zitiert hin und wieder Berufskollegen (zum Beispiel Jacques Offenbachs „Cancan“) und steht am Ende doch nicht zu dem Werk. Er fürchtet um seinen seriösen Ruf. Deshalb erscheint es erst nach seinem Tod und gehört heute zu den bekanntesten in der Musikwelt.

Nicola Hammer, Martin Schacht und Gerald Hacke tragen seit Jahren das Ihre dazu bei, dass auch heutige Schülergenerationen das Stück kennen- und schätzen lernen. Mit einem Konzert als krönendem Abschluss und intensiver Vorbereitung in den Grundschulen: mit Lehrerworkshops, Instrumentenkunde, Lieder singen und im Rhythmus beklatschen lernen. Mit Musikern des Sinfonieorchesters, die ihre Instrumente und das Stück vorstellen. Heike Henoch vom Education Management der Wuppertaler Bühnen: „Manche Lehrer binden das Stück auch in den Kunstunterricht ein.“ Was beim „Karneval der Tiere“ dazu führte, dass von Schülern gemalte Fische sowohl auf der großen Leinwand hinter der Bühne „schwimmen“ als auch im Vorraum des Saals an Stellwänden ausgestellt werden.

Es ist Karneval: Hier und da schwingen ein Luftballon und ein paar Luftschlangen, ein Hasenkopf mit wackelnden Schlappohren schmückt den Kopf eines Musikers, Elefantenmasken hängen an Notenständern und ein majestätischer Pappmaché-Schwan ruht auf dem Bühnenrand. Bis er zu seiner Musik einmal über die Bühne hin und zurück gleitet. Die Kinder verfolgen ihn gebannt und aufmerksam mit ihren Augen.

Die Kinder verfolgen gebannt und aufmerksam das Geschehen

So wie sie pfeilschnell und wie aus einem Munde die Fragen ihres Gastgebers Schacht beantworten, der im Safarilook mit Helm und Weste durchs Feier-Programm führt, den König der Tiere, eine Löwen-Handpuppe, huldvoll und feierlich in den Saal trägt und Johannes Pell aufs Geländer seines Dirigentenpultes setzt. Man singt gemeinsam, hüpft wie die Kängurus, die den weiten Weg von Australien nach Wuppertal bewältigen mussten, lauscht den Vögeln und den aufgeregten Hühnern, die nur Klarinettist Joshua (als Hahn) bändigen kann.

Spielerisch und unterhaltsam begegnen die Kinder der Musiksprache des Komponisten und seiner Zeit, die voller Erfindungen war, die heute nur noch als überholte Vorgänger von WhatsApp (Telegraf) oder Smartphone (Telefon) gelten. Wissen sofort, dass ein so großes Säugetier wie der Elefant nur durch das größte Streichinstrument im Orchester, den Kontrabass, vertont werden kann. Begrüßen begeistert Xylophonist Benedikt, der die Fossilien vertont, mit dem zuvor einstudierten Urzeitsong. Erfahren, dass auch Berufsmusiker viel üben müssen. Vor allem aber, dass Musik ein großes Vergnügen ist.

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