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Wettbewerb „dancescreen 2019  + Tanzrauschen“ nimmt konkrete Formen an.

Festival : Über 200 Tanzfilme aus aller Welt werden jetzt gesichtet

Wettbewerb „dancescreen 2019 + Tanzrauschen“ nimmt konkrete Formen an. Programm mit nordischem Fokus.

„dancescreen 2019 + Tanzrauschen“ heißt der Tanzfilmwettberwerb, mit dem der Wuppertaler Verein und das International Music + Media Centre (IMZ) in Wien Wuppertal zur Weltstadt des Tanzfilms machen wollen. Seit Monaten sind sie mit den Vorbereitungen befasst. Nun ist die Bewerbungsfrist abgelaufen, wurden die ersten Filme gesichtet. „Da sind sehr gute dabei, aber auch einige, deren Sinn sich nicht direkt erschließt“, schildert Kerstin Hamburg, Vorsitzende des Vereins Tanzrauschen, ihre ersten Eindrücke. Über 200 Arbeiten wurden eingereicht, vom nicht mal fünfminütigen Kurzfilm bis zur längeren Dokumentation, aus 30 Ländern der Welt, die meisten natürlich aus Deutschland. Im November findet das Wettbewerbsfinale im Rex-Filmtheater am Kipdorf statt.

Die Kombination aus Tanz, Choreographie, Film und modernen Medien fasziniert und eint sie. Seit dem 10. Juli, meist am späten Nachmittag, treffen sie sich, setzen sich vor einen großen Fernseher, um gemeinsam die Filme anzuschauen. Jeder bewaffnet mit einem Bewertungskatalog, auf dem sie Kriterien wie Ansprache des Publikums oder technische Ausstattung mit Schulnoten versehen. Zum Wuppertaler Festivalteam gehören neben Kerstin Hamburg Zara Gayk, Mark Wagenbach und Felicitas Willems. Hin und wieder schauen auch interessierte Vereinsmitglieder vorbei. Anfang August wollen sie fertig sein, weshalb wohl auch so manche einsame Fernsehnacht eingelegt werden muss. Dann tauschen sie sich aus und tragen die digital gespeicherten Bewertungen zu einer gemeinsamen Best-of-Liste zusammen. Mitte August wollen sie sich mit den Wienern kurzschließen, die bis dahin die gleiche Arbeit getan haben, um eine gemeinsame Top 50 herauszufiltern, die beim Festival vom 21. bis 24. November gezeigt werden soll.

Erstmals gibt es auch
einen Social Movers Award

Eine international besetzte Jury, der Henrik von Sydow vom schwedischen Fernsehen, der finnische Choreograph Tero Saarinen, Regina Lissowska vom polnischen Kurzfilmfestival „Short Waves Poznan“, die Londoner Bildschirmkünstlerin Marisa Zanotti und die Tanzfilmerin Andrea Keiz angehören, vergibt dann die Preise „Best Film“, „Best Student Film“ und, erstmals, den „Social Movers Award“. Hamburg: „Er ist Ausdruck unserer vielschichtigen Gesellschaft, die andere Formen der sozialen Teilhabe verlangt und filmisch thematisiert.“ Bewertet werden gesellschaftskritische Tanzfilmproduktionen, die spezifisch politische, soziale und kultureller Fragen reflektieren oder eine spezifische Partizipation von Non-Professionals, Randgruppen und Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten darstellen. Auch das Rahmenprogramm des Festivals nimmt Formen an. So wird es einen Screen Dance Market geben, ein Branchentreffen, das Filmemacher, Choreografen und Produzenten zum Austausch zusammenbringt.

Außerdem legt das Festival einen „nordic focus“, einen skandinavischen Schwerpunkt. Personell, weil Schirmherr Helge Lindh, der seit 2017 Wuppertal im Bundestag vertritt, deutsch-finnischer Germanist und SPD-Politiker ist. Und weil auch in der Jury zwei Skandinavier mitwirken. Inhaltlich, weil der finnische Filmemacher, Produzent und langjährige Tanzrauschen-Partner Jukka Ralaja-Grandstubb von der Malakta Art Factory für eine Produktion gewonnen wurde. Gemeinsam mit Marc Wagenbach erarbeitete er im Juni die  Produktion „touched“ über das Tanzerbe von Pina Bausch und die Frage ihres Erinnerns in Wuppertal. Der Film wird zur Eröffnung des Festivals am 21.November im Rex-Kino uraufgeführt. Jukka Ralaja-Grandstubb steuert auch das Festivaltitelbild bei. „Außerdem wurden viele skandinavische Filme zum Wettbewerb eingereicht und laufen auch im Rahmenprogramm“, ergänzt Hamburg.

Gezeigt wird auch ein Film, der erst im Sommer entstehen wird. Vom 7. bis 20. August errbeitet die Tanz- und Videokünstlerin Jo Parkes mit zwölf Jugendlichen (ab 13 Jahren) und ebenso vielen Erwachsenen einen Film. Die Anmeldung ist beendet, Nachzügler können sich aber auch jetzt noch unter info@tanzrauschen.de bewerben. Hamburg: „Es geht dabei darum, dass verschiedene Generationen sich gegenseitig Orte in Wuppertal zeigen und dazu dialogische Choreographien entwickeln.“

Wuppertal ist auf dem besten Weg, Weltstadt des Tanzfilms zu werden.