Werkstattlesung in Wuppertal

Werkstattlesung: Ein Blick hinter die literarische Kulissen

Sibyl Quinke, Jürgen Kasten und Torsten Krug waren zu Gast bei der Werkstattlesung.

Literatur ist ein beliebter Stoff für Veranstaltungen - für Lesungen oder auch Stücke. Aber dieser Stoff muss ja erst einmal entstehen: So gab denn die Werkstattlesung im Literaturhaus wieder durchaus intim den Einblick in Frühphasen literarischer Werke, bevor sie vielleicht einmal gedruckt im Laden stehen.

Torsten Krug, Sibyl Quinke und Jürgen Kasten waren am Montag die lesenden Mitglieder des VS Bergisches Land (Verband deutscher Schriftsteller), aus dessen Reihen die Werkstattlesung stets bestritten wird. Schon seit Jahren Tradition, mag der Termin (meist am ersten Montag im Monat) immer noch ein wenig Geheimtipp sein.

Auch zur Dezemberausgabe, moderiert von Anja Liedtke, erlebten Besucher die nicht alltägliche Situation, in dem Haus am Haspel umgeben von Schriftstellern zu sitzen, die jeden Vortrag mit freundlichen Fragen und Anmerkungen kommentierten. Ein Hauch von Disziplin lag in dem Raum mit seinem eher hölzernen Charme, in dem der VS sonst auch regelmäßig seine internen Arbeitstreffen ausrichtet.

Freilich war es wohlwollende Kritik ja gerade, was auch heute gewollt und reizvoll war: für die Schreibenden als konstruktives Feedback, für die Gäste als Blick hinter die literarischen Kulissen. Jürgen Kasten etwa hörte nach dem Auszug aus seinem neuen Romanentwurf, dass die Handlung noch undeutlich schien - auch wenn die Rückschau in eine harte Kindheit mit der klaren Ansage begann: „Sein Entschluss stand fest: Es war ein schöner Tag zum Sterben.“ Denn Kollegin Christiane Gibiec (bekanntes Werk u.a.: „Türkischrot“) vermisste noch die Richtung der zu erwartenden Handlung, worauf Kasten erwiderte: „Ich kenne die Geschichte, ja.“ Nachfrage: „Es gibt schon einen Bogen?“ Antwort: „Ja.“ Gibiecs vorläufiges und neugieriges Urteil: „Ich bin gespannt - auch wenn es erst mal minimal ist.“

Sibyl Quinke betonte vor dem Lesen selbst, dass ihr noch viel Arbeit bevorstand: „Es ist der Anfang.“ Sie ist bekannt als Krimiautorin mit quasi mörderischer Kompetenz, weil sie studierte Apothekerin ist und daher Giftschränke bestens kennt.

Anders schien das Buch zu werden, das zur Zeit auf ihrem Schreibtisch entstand: Sie las aus dem Anfang des noch titellosen Werks, das mit einem Gewaltopfer begann, aber statt Gift offenbar per Messer attackiert worden war. Hier kam nachher der Hinweis, sie habe etwas zu schnell gelesen, und Quinke begründete das in Richtung der kritischen Kollegen: „Da hatte ich Angst...“ Nicht dass ihr Text dazu Anlass gegeben hätte: Spannung um die apathisch aufgefundene Gattin sollte sich bewusst daran aufbauen, was genau geschehen war und warum.

Für den Schriftsteller Torsten Krug, auch Regisseur und Musiker, war es der erste Roman, dessen Stand er nun präsentierte. Schon jetzt war eine komplexe Konstruktion zu erahnen in der Geschichte um drei Figuren - darunter ein gestandener Mann, bis heute geprägt davon, dass seine Mutter einst die Familie verließ. hag