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Wenn Wort und Ton eins werden

Wenn Wort und Ton eins werden

Poetische Inspirationen hieß das Programm des zweiten Kammerkonzerts im Mendelssohn-Saal.

Wuppertal. Komponisten lassen sich immer wieder von anderen Kunstrichtungen inspirieren — etwa von der Literatur. Daraus resultieren viele Tondichtungen. „Poetische Inspirationen“ hieß dement-sprechend das Programm des zweiten städtischen Kammer-konzerts dieser Spielzeit im Mendelssohn-Saal der Stadthalle, das Werke mit literarischer Vorlage beinhaltete. Deswegen wurde nicht nur reine Musik geboten. Zum ersten Mal war im Rahmen dieser Reihe das Wort genauso wichtig.

Aufgeführt wurden für die meisten Besucher völlig unbekannte Werke überwiegend nicht geläufiger Komponisten. So war man im Auditorium hilflos, um wen es sich bei den Tonkünstlern handelt. Der Programmzettel klärte nämlich nicht auf. Den Engländer Joseph Charles Holbrooke (1878-1958), den deutschstämmigen US-Amerikaner Charles Martin Loeffler (1861-1935) und den Deutschen August Klughardt (1847-1902) kennen eigentlich nur Insider. Bekannter dürften der Engländer Benjamin Britten (1913-1976) und der Franzose Darius Milhaud (1892-1974) sein.

Dessen ungeachtet kamen schöne Klänge von der Bühne - zum Teil ungewohnte, doch faszinierende. Brittens „Sechs Metamorphosen nach Ovid“ op. 49 für Solo-Oboe spielte Andreas Heimann mit einer beweglichen Tongebung sehr packend. Dazu las Julia Wolff, ehemals fest angestellte Schauspielerin an den Wuppertaler Bühnen, während seines Vortrags mit ihrer gekonnten Rezitationskunst passend Verse aus dem 15-bändigen Werk des großen antiken römischen Dichters.

Genauso verhielt es sich mit Klughardts fünfteiligen „Schilf-liedern“ op. 28 nach den gleichnamigen melancholischen Liebesdichtungen Nikolaus Lenaus. Wolff, Heimann sowie Sinfoniker Momchil Terziyski (Bratsche) und Pianistin Maki Hayashida verliehen dieser Inszenierung adäquate versonnene Züge.