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Historische Stadthalle: Weihnachtswunsch: Ein voller Saal

Historische Stadthalle : Weihnachtswunsch: Ein voller Saal

Silke Asbeck, Geschäftsführerin der Historischen Stadthalle, erprobt die neue Open Air-Bühne und plant den Veranstaltungsherbst.

Sie werde mit angezogener Handbremse, vollem Programm und unverbesserlichem Optimismus in den Herbst starten. Der nahtlos auf einen lebhaften Sommer folgen soll. Silke Asbeck, Geschäftsführerin der Historischen Stadthalle auf dem Johannisberg, ist voller Tatendrang und „ziemlich sicher, dass man uns das Haus nicht wieder schließt“.

Denn die Situation sei eine andere: „Wir sind durch die Impfungen einen entscheidenden Schritt weiter und professioneller bei den Schutzmaßnahmen. Das reiche von der Luftreinigung mit neuen mobilen Filtern und der bewährten Anlage im Großen Saal bis zum Einwege-System durchs Haus und dem bequemen Service des Schnelltestzentrums gleich nebenan.

Das Jahr begann zaghaft und im Lockdown. „Wir haben deshalb erstmal bis zum 30. Juni mit einer Auslastung von 20 Prozent bei den Veranstaltungen, gemessen an 2019, geplant und erst ab 1. August mit 70 Prozent gerechnet“, sagt Asbeck. Das erste Halbjahr ist zwar noch nicht abgerechnet, aber die Geschäftsführerin ist zuversichtlich, dieses Ziel erreicht zu haben – weil die Zahlen der ersten Monate zwar darunter, Mai und Juni aber darüber lagen.

Allein die zwei Konzerte im Rahmen des Klavierfestivals Ruhr mit 700 und 500 Besuchern seien gut gelaufen und hätten die Erkenntnis gebracht, dass die Sorgen, die Besucher könnten nach dem langen Lockdown entwöhnt wegbleiben, unbegründet gewesen seien. „Nach langer Zeit wieder Live-Musik zu erleben, ist selbst für mich etwas ganz Besonderes.“ Auch sei der Bedarf der Menschen nach den Get-Together-Events groß, die dank der Wiederaufnahme der Gastronomie wieder möglich sind. Allerdings sei auch zu bemerken, dass die Menschen auf die Auslastung achten, den Abstand zum Sitznachbarn schätzen. Die Besucher seien sensibel, „das Schachbrettmuster bei der Platzbelegung hat sich dabei gut bewährt“.

Open-Air-Bühne ist keine Schönwetter-Ergänzung

Früher gab es das Johannisbergfest, ein Tag der offenen Tür mit Laienkünstlern und Sinfonieorchesterauftritt, das in und neben der Stadthalle stattfand. In der Corona-Pandemie kam der Gedanke auf, den Künstlern eine kleine Bühne anzubieten, „auf der sie üben können, bevor sie auf die große zurückkehren“. Dass die draußen aufgebaut werden würde, war nicht nur der Pandemie geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass die Halle im Sommer gewartet, gesäubert und repariert wird, also weniger genutzt werden kann. Mitte Juni wurde die Open-Air-Bühne eröffnet, deren Sommerprogramm von drei Veranstaltern bedient wird: dem durch den Bund geförderten Kultursommer-Festival „Somma“, der Stadtsparkasse und der Stadthalle selbst. So neben lokalen Künstlern auch Gästen wie dem Comedian Bülent Ceylan oder den Kabarettisten Konrad Beikircher oder Jochen Malmsheimer zur Verfügung gestellt wird. Und mit Hilfe der Schuler Stiftung auch für Auftritte durch die Bergische Musikschule oder den Cronenberger Männerchor genutzt werden soll.

„Wir wollen auch die Vereine unterstützen, die bei der Förderung durch den Kultursommer rausfallen.“ Dabei geht es nicht um eine Schönwetter-Ergänzung zum Programm in der Stadthalle, sondern um eine grundsätzliche Nutzung des schönen Garten-Geländes (auch für das EM-Finale oder Abiturfeiern), zur Not mit Regencapes. Sie könne sich durchaus vorstellen, ein Sommerfestival ins Auge zu fassen, überlegt Asbeck.

Derweil ist Sommerpause in der Halle, finden dort derzeit nur Trauungen statt, wird geputzt oder eine Dirigentengarderobe gebaut, werden (und wurden) Aufnahmen angesetzt, die in der Pandemie Liveerlebnisse ersetzen sollen.

1. September: Antrittskonzert
des neuen Generalmusikdirektors

Außerdem wurde ein pralles Programmpaket geschnürt, das am 1. September mit dem Antrittskonzert des neuen Generalmusikdirektors des Sinfonieorchesters, Patrick Hahn, starten soll. Asbeck hofft auf eine halbwegs normale Saison, auch wenn die Auslastung erstmal bei 700 Plätzen (gemäß Inzidenzwert 0) liegen wird. Bei aktuell steigender Inzidenz droht hier eine Verringerung der Kapazität. Tourneeveranstaltungen müssen ohnehin weiter ausbleiben, die mindestens 800 bis 1000 brauchen. Die aber auch wegen der abgewanderten Techniker Schwierigkeiten bei der Rückkehr in die Normalität haben dürften, mutmaßt die Geschäftsführerin. Möglich sind dagegen Businessveranstaltungen mit Get-Together-Angebot.

Die Platzauslastung soll, wenn erlaubt, vorsichtig erhöht werden, ebenso die Tarife, um auch wieder „in eine betriebswirtschaftliche Richtung zu kommen“ Schön wäre auch, wenn die Konzepte nicht wieder über den Haufen geschmissen werden und Maßnahmen sich nicht nur am Inzidenzwert orientieren müssen, so dass die Stadthalle „mit ihrer ganzen Vielfalt“ punkten kann. „Vielleicht können wir dann ja Weihnachten sogar in einem vollen Großen Saal erleben.“ Sagt die unverbesserliche Optimistin.