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Weihnachten wird alles anders

Weihnachten wird alles anders

Im neuen Weihnachts-Stück des TIC kommen Vater Jans Planungen ganz schön durcheinander.

Wuppertal. Das TiC bietet an der Borner Straße Theater für alle Sinne: In der Komödie "Weihnachten wird alles anders" duften die Plätzchen, die Mikrowelle explodiert mit dem Feuerzauber eines Actionfilms und wer will, kann am Ende sogar die live gebackenen Vanillekipferl kosten.

Die Geschichte von Frank Pinkus beginnt, wie so viele Weihnachtskomödien anfangen. Jan Ludwig, frisch geschieden, ist fest entschlossen, unter großer Selbstdisziplin einen fröhlichen Heiligen Abend alleine zu verbringen.

Sushi und Champagner stehen bereit, die grell beleuchtete Kunst-Tanne und das verrockte "Jingle Bells" fordern aggressiv Besinnlichkeit. Die jedoch hält nur so lange an, bis nacheinander Jans erwachsener Sohn, seine Ex-Freundin, Ex-Frau und dann noch sein Vater hereinbrechen.

Sehr schön spielt Ralf Hausotto erst die lockere Fröhlichkeit Jans, dann seine leisen Zweifel, ob er den Abend tatsächlich gut bewältigen würde, seine Irritation, als das Telefon klingelt, und schließlich seine Hilflosigkeit gegenüber den vielen Familienmitgliedern, die alle mehr oder weniger zerstritten sind. Unbefangen mampft sein Sohn (Kristof Stößel) das Festessen weg und zieht über seinen "Alten" her.

Die sehr junge Ex-Freundin Steffi (Janina Jansen) kichert sich durch alle Fettnäpfchen und hat immer eine psychoanalytische Deutung parat. Ex-Gattin Nicole (Christiane Breuker) hingegen gibt sich distanziert, auf einer Gratwanderung zwischen Vorwürfen und Weihnachtsfrieden. Und dann kommt der Opa (Wolfgang Simmelink) mit einem dicken Beutel Geld und vielen unkonventionellen Ideen und wirbelt alles ordentlich durcheinander.

Ganz selten nur gleitet die Komödie in Klamauk ab. Meist bietet sie originelle Dialoge und Handlungsstränge, die schließlich zum unvermeidlichen Happy End führen. Thorsten Hamer, der bisher selbst spielte, hat mit seiner ersten Regie eine überzeugende Arbeit abgeliefert. Stimmig reagieren die Charaktere aufeinander, fein entwickelt er die komödiantischen Szenen, sowie auch die nachdenklichen.

Sandra Beckmann hat dazu ein passendes Bühnenbild geschaffen, mit der richtigen Mischung zwischen Junggesellen- Pragmatismus und männlich-kargem Ideal von Behaglichkeit. Darin funktioniert nicht nur der Backofen wirklich, sondern sogar das Wasser.