Vorfreude auf große Dirigenten

Vorfreude auf große Dirigenten

Der Chor der Konzertgesellschaft singt mit lauter Wunschkandidaten in der Stadthalle.

Wuppertal. Manchmal werden Wünsche wahr - entsprechend frohgemut gehe der Chor der Konzertgesellschaft in die neue Saison, sagt sein Sprecher Ronald Frowein. Dreimal sind die Sänger mit dem Sinfonieorchester Wuppertal im Großen Saal der Historischen Stadthalle zu Gast, und dreimal stehen renommierte Dirigenten am Pult, die sich der Chor gewünscht hat.

Foto: Jana Wischnewski

Besonders stolz ist man laut Frowein auf die Einladung zum Saisoneröffnungskonzert am 5. September, bei dem Chefdirigent Toshiyuki Kamioka selbst die Stabführung übernehmen wird. Erklingen wird Beethovens Neunte Sinfonie, deren erste Aufführung in Wuppertal bereits zu Lebzeiten des Komponisten mit dem Chor der Konzertgesellschaft (damals natürlich noch unter anderem Namen) stattgefunden hat.

Die Neunte beherrscht der Chor fast im Schlaf, das zweite Konzert hingegen müssen sich die Sänger neu erarbeiten. Beim Chorkonzert am Totensonntag, 22. November, steht der Wiener Erwin Ortner am Pult und dirigiert die „Messa per Rossini“, ein ausgesprochen selten gespieltes Requiem. Unter dem Eindruck des Todes von Gioachino Rossini 1868 lud Giuseppe Verdi die zwölf damals bedeutendsten Komponisten Italiens ein, eine gemeinsame Totenmesse zu komponieren. Das dreizehnteilige Werk — Verdi hatte selbst noch einen Schlusssatz beigesteuert — sollte 1869 uraufgeführt werden, das klappte aber nicht. Das Werk geriet in Vergessenheit, wurde erst später wiederentdeckt und 1988 in Stuttgart uraufgeführt.

Erwin Ortner ist Wiener Hofkapellmeister und leitet den herausragenden Arnold Schoenberg Chor. Der Chor der Konzertgesellschaft liebt seinen „Wiener Schmäh“ (Zitat: „Jetzt singen wir das noch einmal, aber so, wie’s da steht“) und seine akribische Probenarbeit, die man bei der Vorbereitung der Matthäus-Passion vor drei Jahren kennengelernt hat.

Die Große Messe c-moll von Wolfgang Amadeus Mozart am 25. März 2016 wird Carl St. Clair leiten. Dass er verpflichtet werden konnte, ist für die Sänger, die schon länger dabei sind, ein absolutes Highlight. Als der Chor vor etlichen Jahren eine Krise durchmachen musste, war er mit dafür verantwortlich, dass man mit einer bewegenden Aufführung des Brahms-Requiems den Aufschwung einleiten konnte.

Carl St. Clair ist Weltenbummler in Sachen Musik, er ist zur Zeit Chefdirigent des Pacific Symphony Orchestra und des Nationalorchesters von Costa Rica. In Deutschland war er unter anderem GMD in Weimar und an der Komischen Oper Berlin sowie ständiger Gastdirigent des SWR.

Seit Mai 2014, seit dem Weggang von Marieddy Rossetto, haben die Sänger keinen festen Chorleiter. „Das ist kein Problem, wir sind in der offenen Findung, aber immer gut versorgt“, sagt Ronald Frowein. Drei Nachfolger seien in der engeren Auswahl. Meik Impekoven hatte als erster die Einstudierungen übernommen.

Derzeit widmet sich Christopher Brauckmann (s. Foto) dieser Aufgabe. Er ist Regionalkantor in Westfalen, Konzertorganist und stellvertretender Leiter des Kölner Männergesangvereins, eines der größten Männerchöre überhaupt. Seine Feuertaufe in Wuppertal habe er mit der Aufführung des Lobgesangs von Mendelssohn glänzend bestanden, so Frowein.

Anschließend wird sich noch Georg Leisse, studierter Kirchenmusiker und Dirigent sowie Leiter des Elberfelder Kammerchors, dem Chor in praktischer Arbeit vorstellen. Frowein: „Danach entscheiden wir uns in aller Ruhe.“ Red

Mehr von Westdeutsche Zeitung