Von der Heydt-Museum Wuppertal zeigt Oskar Schlemmer

Kultur : Meister der Komposition und des Experiments

Das Von der Heydt-Museum zeigt ab Sonntag, 3. November, Werke von Oskar Schlemmer.

Maler, Wandgestalter, Grafiker, Bildhauer und Bühnenbildner – so vielseitig wie Oskar Schlemmer (1888-1943) war kaum ein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts. Intensiv setzte er sich mit den Kunstströmungen seiner Zeit auseinander und ließ sich durch zahlreiche Freundschaften mit Künstlerkollegen inspirieren. Ab dem 3. November widmet das Von der Heydt-Museum dem Multitalent Schlemmer eine umfassende Ausstellung, die Werke aus allen Phasen seines Schaffens umfasst.

Dabei legt die Schau ihren Fokus weniger auf die Jahre am Bauhaus als vielmehr auf die Spätphase. Punkten kann die kommende Ausstellung mit einem großen Bestand von rund 300 Gemälden und Zeichnungen Schlemmers, die der Kunst- und Museumsverein in den sechziger Jahren für die Sammlung des Von der Heydt-Museums erworben hat. Besonders die späten Werke zeigen, was den Künstler am meisten interessiert: der Mensch, seine Konturen und Formen.

Darüber hinaus setzt die Schau das Werk des Künstlers in Beziehung zu dem seiner Lehrer, seiner Mitstreiter am Bauhaus sowie zu Willi Baumeister und Franz Krause, die sich wie Schlemmer – von den Nazis drangsaliert – in der Wuppertaler Lackfabrik von Kurt Herberts ins „innere Exil“ zurückgezogen hatten.

Für Antje Birthälmer, kommissarische Museumsleiterin, passt die Schlemmer-Retrospektive sehr gut zur Else-Lasker-Schüler-Schau im Haus. Gemeinsame Anlaufstelle war die Sturm-Galerie in Berlin, die Schlemmer besuchte und von der er wichtige Impulse empfing. Der entscheidende Schritt hin zum eigenen Künstlertum aber war der Ruf ans Bauhaus in Weimar. Dort traf er auf Künstler, die auch in der Wuppertaler Ausstellung hängen: Wassily Kandinsky, Paul Klee, Georg Muche und Johannes Itten.

Nach Stationen in Dessau und Breslau wurde er durch die nationalsozialistischen Machthaber von allen Ämtern ausgeschlossen. NS-Studenten starteten unter dem Motto „Meidet diese Lehrer!“ eine Kampagne gegen ihn, seine Kunst wurde als „entartet“ gebrandmarkt. Sein Glück war, dass er dank seiner guten Kontakte Arbeit in der Wuppertaler Lackfabrik von Kurt Herberts fand. Am Döppersberg bezog er ein Atelier, wo er sich mit der Erforschung und Anwendung moderner Lacktechniken betraut wurde. Zahlreiche Skizzen und Studien zeigen, dass er hier nicht nur ein „Lackkabinett“ entwarf. Auch sein „Lackballett“ wurde zum Firmenjubiläum 1941 in der Barmer Concordia uraufgeführt. (Eine Rekonstruktion dieses Balletts ist übrigens Mitte November im Theater- und Konzerthaus in Solingen zu sehen.)

Nach Feierabend entstanden auch seine letzten, die so genannten „Fensterbilder“. Die nur handgroßen Bilder sah er als „die reinste Darstellung meiner selbst“.