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Volksmusik mit Signalwirkung

Volksmusik mit Signalwirkung

Die Kantorei Barmen-Gemarke hatte das Kettwiger Bach-Ensemble eingeladen.

Wuppertal. Die Kantorei Barmen-Gemarke lud am Samstagabend zum Gastkonzert „Folklore“ mit dem Kettwiger Bach-Ensemble und Instrumentalisten in die Immanuelskirche.

Die „Volksmusik“ kommt in unterschiedlichen Ausprägungen daher: Strawinskys kunstvoll gesetzte russische Bauernlieder für Frauenchor und Hornquartett mit den juchzenden Unisono-Rufen sind kontrastiert mit dem ganz im romantischen Zeitgeist geschriebenen, dicht gesungenen „Nachtgesang im Walde“ für Männerchor und Hornquartett von Franz Schubert.

Die Männer- und Frauenstimmen überzeugen auch als gemischter Chor — trotz geringer Besetzung der einzelnen Stimmen — mit sauberer Intonation und klaren Höhen in Sopran und Tenor. Die Mischung mit den Hornstimmen ist delikat, zumal das Wilhelm Bruns Hornquartett sehr sauber bläst und dynamisch überzeugend gestaltet.

Wolfgang Kläsener leitet Chor und Instrumentalisten souverän. Die ernsten, drei- bis vierstimmigen „Vier Gesänge“ von Johannes Brahms (op. 17) mit klagender Chromatik und schöner Tonmalerei bereichert zusätzlich zu den beiden Hornstimmen die Harfe (Manuela Randlinger) mit feinem Spiel. Für Harfe Solo ist Louis Spohrs weit schweifende Fantasie in c-Moll geschrieben — mit durchaus im Volkston gehaltenen Themen.

Die drei Uraufführungen von Thomas Beimel korrespondieren in zeitgemäßer Tonsprache mit anderen Werken: „Ugarit“, diesmal nicht für Streich-, sondern für Hornquartett gesetzt, etwa mit den Bartók-Tänzen im bulgarischen Rhythmus mit Taktwechseln aus dem Mikrokosmos — in der Version für Cembalo von Nicoleta Paraschivescu versiert gespielt.

Im Beimel-Werk sind schlichte Motive als Signalrufe gegen sich verschiebende dissonante Klangflächen gesetzt — im weichen Hörnerklang immer gut konsumierbar. Seine „Sonata (mobile)“ für Cembalo ist ein suggestiv-wiegendes und schaukelndes Figurenwerk mit wenig variierten Verläufen — fast im minimalistischen Stil angelegt.

Daran schließen sich passend die „Fünf Spiellieder“ des Rumänen Sigismund Toduta für dreistimmigen Frauenchor als deutsche Erstaufführung an: Wie gewebt sind die schwingenden Stimmenverläufe und mit lebendigen Tempi- und Rhythmuswechseln versehen. Beimels Stück „das kind mit der krücke“ nach einem kurzen Jean-Paul-Text kommt nach markanter Horn-Einleitung im romantischen Gestus daher — die sehr hohen Soprane des gemischten Chors imitieren tonmalerisch die „Hoffnung“ des an der Krücke umher hüpfenden Kindes. Und kanonisch einsetzende Männerstimmen vom Horn begleitet, schildern die „Erinnerung“ des an seiner Krücke schleichenden Greises.

Viel Applaus spendet das Publikum für das ungewöhnliche Gastkonzert und wird mit einem Jagdruf für Hornquartett von Rossini als Zugabe belohnt.