Vielversprechendes Jahr für Wuppertaler Illustratorin Ulrike Möltgen

Wuppertaler Kultur : Ein vielversprechendes Jahr für Ulrike Möltgen

Die Wuppertaler Illustratorin stellt bis Ende September im Heine Haus Düsseldorf aus. Danach folgen Schauen in Wuppertal und Berlin. Und auch bei der Unterbarmer Kunstmeile ist sie dabei.

Ist 2019 ihr Jahr? Ulrike Möltgen bejaht die Frage mit einem Lachen. In den vergangenen Monaten konnte sich die Wuppertaler Illustratorin über den Springmann-Preis und einen von drei Troisdorfer Bilderbuchpreisen freuen. Die Deutsche Akademie der Kinder- und Jugendliteratur hat „Roberta verliebt“, eine Zusammenarbeit von Möltgen und Autorin Judith Burger, zum Buch des Monats September gekürt.

Zur Erfolgsserie gehört auch, dass die 45-Jährige zurzeit in der Landeshauptstadt ausstellt. Die Bilderschau im Düsseldorfer Heine Haus läuft noch bis zum 28. September. Wo sonst Lesungen und Autorengespräche stattfinden, sind Drucke aus dem frisch erschienenen Jugendbuch „Der Vogelschorsch“ zu sehen. Außerdem Illustrationen zum Insel-Bücherei-Band „Das Geschenk der Weisen“, die mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis belohnt wurden, sowie zu „Der kleine Häwelmann“ und „Kleider machen Leute“.

Möltgens Kunst erwächst aus der Begeisterung für Texte. Für Hannes Wirlingers „Vogelschorsch“ sollte sie ursprünglich nur das Cover gestalten. Doch den Roman um einen jungen Außenseiter fand sie so stark, dass jedes Kapitel ein Bild bekam. So entstanden Kohle- und Tuschezeichnungen, in die sie effektvoll natürliche Materialien – Fäden und Haare – eingearbeitet hat.

Noch aufwändiger sind die Bilder zu Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“. Passend zur Hauptfigur, dem Schneider Wenzel, hat die Künstlerin „möglichst viel aus Schnittmustern gemacht, sie ausgedruckt und nachgezeichnet“. Manchmal hat sie sogar Nadel und Faden in die Collagen eingepflegt.

Beim Thema Genauigkeit ist sie sich mit ihrem jungen Publikum einig. „Die Kinder achten ja sehr auf Details, mehr als die Erwachsenen.“ Um stimmige Kompositionen zu schaffen, ist sie längst nicht mehr nur analog unterwegs. „Ich habe mich früher mit Händen und Füßen gegen die Arbeit am Computer gewehrt“, erklärt Möltgen. Diesen Widerstand hat sie aufgegeben. Ihre Entwürfe scannt sie ein und druckt sie wieder aus, feilt so lange daran, bis alle Einzelheiten sitzen.

Die Ausstellung mitten in der Düsseldorfer Altstadt verdankt Möltgen Rudolf Müller und Selinde Böhm, die die Buchhandlung im Heine Haus betreiben. Zwei Jahrzehnte ist es her, dass sie, damals noch Studentin bei Wolf Erlbruch, Müller eine Arbeit zu Gertrude Stein anbot. „Ich sagte ihm: Wenn Sie 50 Stück abnehmen, habe ich eine Wette gewonnen.“ Der Buchhändler fand den Text-Bild-Mix so spannend, dass er ihr den Gefallen tat. Bis heute hat die Buchhandlung Müller & Böhm ihre Bücher vorrätig und stellt sie ins Schaufenster. Möltgen ihrerseits schaut gern vorbei und ist eine treue Kundin.

Trotz des Erfolgs ist es für Möltgen nicht selbstverständlich, dass ihr Institutionen wie das Heine Haus offenstehen. Es kostet sie Überwindung, Veranstalter anzurufen und Ausstellungen vorzuschlagen. Mit Absagen kommt sie aber mittlerweile besser klar – auch was Veröffentlichungen angeht. „Ich habe jetzt genug Selbstvertrauen und bin mir sicher, dass das nächste Projekt schon kommt.“

Jedenfalls geht das Jahr, das für Möltgen vielversprechend begonnen hat, gut weiter. Am 1. September nimmt die Illustratorin bei der Unterbarmer Kunstmeile im Ulle Hees Haus teil. Danach folgt eine ganze Reihe von Ausstellungen. Am 22. September eröffnet die Künstlerin eine Ausstellung in der Alten Bandfabrik. Auch bei der Finissage der Düsseldorfer Schau wird sie anwesend sein, Bücher und die Drucke, die käuflich zu erwerben sind, signieren.

Wer ein echter Fan ihrer Illustrationskunst ist, kann gar nach Berlin fahren. Noch bis Oktober sind Bilder in der Bibliothek am Luisenbad zu sehen und anschließend in dortigen einer Buchhandlung. In der heimischen Buchhandlung von Mackensen veranstaltet Möltgen am 14. November einen Abend mit dem Schauspieler Olaf Reitz und dem Germanistik-Professor Wolfgang Lukas.

Mehr von Westdeutsche Zeitung