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Verein Tanzrauschen durchlebt wegen Corona ein schwieriges Jahr

Verein Tanzrauschen : Tanzfilme im Netz und 2021 im Kino?

Der Verein Tanzrauschen durchlebt wegen der Corona-Pandemie ein schwieriges Jahr.

Das letzte Jahr endete mit dem großen Dancescreen-Festival, das jede Menge Energie für den Start ins neue Jahr freisetzte. Doch davon ist nichts mehr da, die Motivation ging 2020 auf Achterbahnfahrt, sagt Kerstin Hamburg, Vorsitzende des Vereins Tanzrauschen. Das Arbeiten in der Coronakrise ist schwierig, zeitaufwendig, technisch anspruchsvoll und oftmals unsinnig, wenn Planungen aufgrund neuer Schutzmaßnahmen über den Haufen geworfen werden. Gerade der zweite Lockdown entpuppt sich als großer Frustauslöser. Weshalb die Wuppertaler Tanzfilmbewegten viel digital unterwegs sind.

Im November 2019 war die Welt noch in Ordnung: Vom 21. bis 24. des Monats „drehte sich die Welt in Wuppertal um den internationalen Tanzfilm“. Mit 67 Filmen im Wettbewerb, darunter einer Weltpremiere, mit neun Preisen, mit einem kreativwirtschaftlichen Screen Dance Market. 1300 Besucher insgesamt suchten die acht Festival-Orte im Stadtgebiet auf. Am 6. November 2020 sollte ein Revival-Kino-Abend im Rex-Filmtheater dazu stattfinden. Der Lockdown machte ihn zunichte. Dennoch konnten weitere Kontakte für zukünftige Kooperationen geknüpft werden, reist die Road Documentary „touched“ von Marc Wagenbach und Jukka Rajala-Granstub, die das Festival eröffnete, erfolgreich durch die Welt, wurde bereits bei internationalen Festivals in Poznan, Manila, Portland bis hin zu Berlin gespielt.

Auf Stew.one, dem Streamingsender von EinTopf und Utopiastadt, wurden außerdem die „Letters from Wuppertal“ gezeigt. Der Choreograph und Tänzer Paul White moderierte die Filme, führte über Zoom Gespräche zu den Dreharbeiten der Tanzfilme. Außerdem übernahm der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) die Schirmherrschaft für Tanzrauschen und das neue internationale EU-Projekt „Maps“, „migrating artists“.

Ein Tanzfilmabend beim
Festival „Under Construction“

„Maps“ will vier Projekte mit verschiedenen Ländern (Frankreich, Italien, Finnland, Griechenland und Deutschland) realisieren, an deren Ende vier Tanzfilme und eine Dokumentation stehen. Tanzrauschen-Projektleiter Marc Wagenbach arbeitete maßgeblich am Konzept mit, der Verein übernahm die Dokumentation der Prozesse und deren Übersetzung in einen sehenswerten Film, der ab 2022 durch Europa touren soll. Eine Fach-Jury wählte im Januar die Projekte aus den Beiträgen aus, die 50 international besetzte Teams aus Choreographen und Filmemachern eingereicht hatten. Dann kam die Pandemie. Hamburg: „Alle Ereignisse mussten verschoben werden, erst seit September wird gearbeitet, die Treffen sind nur noch digital.“

Digital erlebbar ist auch der Tanzrauschen-Beitrag zum Festival „Under Construction“, das gerade aus dem Schauspielhaus ein tägliches Programm streamt. Am 26. November gestaltet der Verein einen Tanzfilmabend mit drei Kurzfilmen über die Pest, Isolation und Tanzwut. Dabei, so Hamburg, stehen Kinder und ihr Blickwinkel im Vordergrund.

Noch nicht fertiggestellt ist der Tanzrauschen-Beitrag zum Engelsjahr 2020. Kerstin Hamburg (Regie und Produktion), Michael Baudenbacher (Produktion und Kamera) sowie Paul White (Tanz und Choreographie) beschäftigen sich mit Erinnerungskultur und Personenkult. Filmten im Engelshaus, an der Wupper und im Studio in Berlin. „Durch Corona müssen wir unabhängig voneinander arbeiten und uns digital koordinieren.“ Im Januar 2021, so die aktuelle Planung, steht die Premiere an.

Dann soll auch der offizielle deutsche Kinostart für „Si c’etait de l’amour / If It Were Love“ im Rex über die Bühne gehen. Der Dokumentarfilm über Gisèle Viennes Rave-Tanzstück „Crowd“ sei selbst eine „Techno-Party, ein Clubabend“, der besonders junge Leute ansprechen werde, erklärt Hamburg. Er hat bereits einige Preise eingeheimst, nachdem er auf der Berlinale im Februar gelaufen war, dort schon den Teddy-Award als bester Dokumentarfilm geholt hatte. Hamburg: “Das ist auf jeden Fall etwas, auf das man sich freuen kann.“

Freuen will sich das Tanzrauschen-Team auch auf 2022, wenn es ein weiteres Dancescreen-Festival auf die Beine stellen will. Dafür aber Partner und Unterstützung braucht, deshalb mit Helge Lindh und der Stadt Gespräche führt. 2021 soll möglichst der Wettbewerb ausgeschrieben werden.