1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Uraufführung der "Versuchung Jesu"

Uraufführung der "Versuchung Jesu"

Meinhard Demelers Komposition erklingt in Cronenberg.

Wuppertal. Im Programmheft ist "Die Versuchung Jesu" drastisch illustriert: In den Abbildungen aus einer Handschrift des 12. Jahrhunderts trägt ein schwarzer, schnabelnasiger Teufel mit Krallen und Flügelschwingen dem gold-blau gewandeten Jesu das Brot und die Herrlichkeiten dieser Welt an.

Der Wuppertaler Komponist Meinhard Demeler hat die Szene aus dem Matthäus-Evangelium vertont und sich selbst zum 80.Geburtstag eine Aufführung davon geschenkt. In der Reihe "Musik auf dem Cronenberg" gestalten die Sinfonietta Wuppertal und der Kammerchor Elberfeld unter Leitung von Georg Leisse in der voll besetzten Cronenberger Emmauskirche die Uraufführung des Werkes.

Ruhige, langsam erwachende Streicherklänge leiten das Stück ein. Demeler erfindet immer wieder fremdartige Klänge in traditionellem Gefüge. Das Saxophon fügt sich anfangs in die Klänge ein. Dann erzählt der Evangelist in Gestalt des Baritons Olaf Tetampel mit großem Stimmvolumen die Geschichte. In der althergebrachten Kombination von Orgel und Solocello wird der Evangelist begleitet, die Melodie und Harmonie jedoch sind deutlich erweitert.

Die Teufelsworte übernimmt der Contratenor Michael Lieb. Er besticht mit einem sehr klaren und vollen Contratenor und imponiert mit seinem eindrucksvollen Flüstern "Dies alles will ich dir geben". Gekoppelt ist der Teufel mit dem Trio Saxophon, Vibraphon und Kontrabass. In den Teufelsritornellen nach jeder Versuchung sind die drei in ihrem Element. André Enthöfer entlockt dem Saxophon intensive Töne, die immer wilder werden und in die "Unterwelt" der modernen Techniken abgleiten. Matthias Goebel bearbeitet ebenso vom Sanften ins Exzessive gehend sein Vibraphon und Harald Eller unterstützt das Ganze am Bass.

Der Kammerchor übernimmt die Jesu-Worte, singt die schwierigen Harmonien sauber und mit voluminösem Klang. Die Sinfonietta spielt dazu aufmerksam und klangvoll.

Vor der Uraufführung gab es noch zwei weitere Werke zu hören. Joachim Dorfmüller interpretierte Händels Konzert für Orgel und Streicher Nr 4 F-Dur. Er phrasierte die Motive sehr schön, eilte allerdings in den vielen Läufen etwas und gab dem Stück dadurch etwas Unruhiges. Die Sinfonietta begleitete die Orgel sehr schön, mit leicht schwebender Tongebung und exakten, lockeren Einwürfen.

Der Kammerchor sang außerdem "Kyrie und Agnus Dei" aus der Messe in F von Palestrina. Da der Chor sehr weit auseinander stand, hatten die Sänger Mühe, stimmlich und rhythmisch zusammenzufinden. Dann überzeugten sie jedoch mit ihren schönen, tragfähigen Stimmen.

Am Ende gab es fürs Ensemble, besonders aber für den Komponisten und sein wirklich hörenswertes Werk minutenlangen herzlichen Applaus und Blumen für alle.