Uptown Classics mit gediegener Musik aus dem 18. Jahrhundert

Uptown Classics mit gediegener Musik aus dem 18. Jahrhundert

Leitung des zweiten Konzerts übernahm Konzertmeister Nikolai Mintchev.

Wuppertal. Der Beruf des Dirigenten ist recht jung. Er entstand erst während des 19. Jahrhunderts. Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) war einer der ersten, der den heute üblichen Taktstock in die Hand nahm. Die ersten Pultstars waren Hans von Bülow (1830-1894), Hans Richter (1843-1916) und Felix Mottl (1856-1911). Davor, bis in das 18. Jahrhundert hinein, waren es in der Regel Komponisten, Cembalisten und Geiger, denen die Orchesterleitung oblag.

So kam es nicht von ungefähr, dass Generalmusikdirektorin Julia Jones zu Hause blieb und die Leitung des zweiten Konzerts der Reihe „Uptown Classics“ einem der beiden Konzertmeister des Sinfonieorchesters Wuppertal, Nikolai Mintchev, anvertraute, als Musik aus jener Zeit auf dem Programm stand.

Wie es zur Zeit der Wiener Klassik üblich war, führte er das städtische Kammerorchester im gut besuchten Kulturzentrum Immanuel vorne vom ersten Geigenpult aus. Seine Bewegungen mit dem Oberkörper, Kopf und der Geige reichten völlig aus, um seinen Kollegen ihre Einsätze klar deutlich zu machen. So spielten die Sinfoniker auch ohne einen üblichen Orchesterleiter akkurat und nuanciert auf. Wolfgang Amadeus Mozarts F-Dur-Divertimento für Streicher (KV 138), das der 15-Jährige nach der Rückkehr von seiner zweiten Italienreise in Salzburg schrieb, kam munter und fest zupackend vom ehemaligen Altarraum.

Auch die vierte der sechs zum Opus 12 zusammengefassten Sinfonien von Luigi Boccherini präsentierten die 26 Musiker mit einer satten Tongebung sehr schwungvoll. Ausgezeichnet harmonierten sie mit Manuela Randlinger-Bilz. Sie wurde ihrem ausgezeichneten Ruf als virtuose und hochmusikalische Harfenistin beim Cembalokonzert in A-Dur der Bearbeitung für Harfe des Geigenvirtuosen Carl Ditters von Dittersdorf voll gerecht.

Diesem hohen Niveau stand Mintchev in nichts nach, als er bei dem Winter aus Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ vor dem Orchester stand. Den anspruchsvollen Solopart gestaltete er mit einer tragfähigen Tongebung außerordentlich brillant und selbst die schnellen Abschnitte äußerst präzise.

Wie im Flug verging das Stündchen mit gediegener Musik aus dem 18. Jahrhundert. Der lang anhaltende Beifall des begeisterten Publikums im voll besetzten Parkett war das verdiente Resultat.

Mehr von Westdeutsche Zeitung