Ulrike Möltgen hat ihr erstes Buch für Erwachsene illustriert und verkauft erstmals Kunstdrucke ihrer Bilder.

Illustratorin : Kleine Kunstwerke erobern die Wand

Ulrike Möltgen hat ihr erstes Buch für Erwachsene illustriert und verkauft erstmals Kunstdrucke ihrer Bilder.

Es ist müßig, Ulrike Möltgen auf einen einzigen, unverkennbaren Stil festlegen zu wollen. „Mir ist die persönliche Entwicklung wichtiger, ich muss nicht erkannt werden“, sagt die Wuppertaler Illustratorin, die einst den Mondbären mit erfand, die viele Jahre ihr kreatives Schaffen bestimmte. 60 Bücher hat sie mittlerweile gestaltet und wartet doch immer wieder mit Neuem auf: Aktuell sind dies ihr erstes Buch für Erwachsene und ihre ersten Kunstdrucke. Und als wäre das nicht genug, hat sie in diesem Jahr auch noch drei Preise gewonnen. So vieldeutig ihre Handschrift auch ist, so ist sie stets exzellent und gewinnt zunehmend Freunde.

Vor etwa vier Wochen kam der Anruf aus Wien. Eine Frau wollte einen Kunstdruck von einem ihrer Bilder haben. „Meine Agentin meinte, ich solle das ruhig machen“, erinnert sich die 45-Jährige. Denn Kunstdrucke „made by Möltgen“ gab es noch nicht, wohl aber digitale Dateien ihrer Bilder. Die Künstlerin wählte acht Lieblingsmotive aus ihren Büchern aus, suchte und fand eine Druckerei in Unterbarmen, die von jedem Motiv an die 20 Drucke in einem etwa Din A3 großen Format anfertigte. Ein Kunstwerk ist im Moment unterwegs nach Wien, die anderen werden in Wuppertal vertrieben – „und erfahren eine gute Nachfrage“, freut sich Möltgen.

Früher hat die Kommunikationsdesignerin auch die Geschichten ausgesucht, aber das kostet sie zu viel Energie. Lieber ist ihr, wenn der Verlag Buch und Rahmen bestimmt. So wie der Insel-Verlag, für den sie seit 2017 arbeitet – als erstes illustrierte sie Theodor Storms „Der kleine Häwelmann“, nun folgte „Das Geschenk der Weisen“ von O. Henry. Ein kleines, edles Büchlein für Erwachsene, das schon vor seinem Erscheinen im September große Nachfrage erfuhr, so dass es bereits in zweiter Auflage auf dem Markt ist. Vier Monate hat sie daran gearbeitet, ihre typischen Collagen-Bilder gefertigt, für die sie ihr Material auf dem alten Holzboden im Arbeitszimmer ihrer Wohnung mit den hohen stuckverzierten Wänden in der Elberfelder Nordstadt ausbreitet.

Die Heimatstadt Wuppertal
gibt ihr die nötige Ruhe

Die gebürtige Wuppertalerin hat es nie in die Welt hinaus gezogen, sie ist ihrer Heimat verbunden, die ihr die nötige Ruhe gibt. Und so sortiert, arrangiert und komponiert sie ihre feingliedrigen, vielschichtigen Bilder, in die der „Betrachter gut hinein finden soll, ohne über das verwendete Material nachzudenken“, erklärt Möltgen. Material, das in diesem Fall, der Geschichte entsprechend, immer wieder Echthaar ist. „Die Bilder sollen schön, zeitlos und nicht kitschig sein“, sagt sie. Die Farbigkeit ist reduziert. Im Unterschied zu früher, als sie bunte Bilder bevorzugte.

Ulrike Möltgen kann aber auch anders. 45 zweifarbige Zeichnungen hat sie zu „Bluma und das Gummischlangengeheimnis“ von Silke Schlichtmann beigesteuert. Mit Tusche, Pinsel und einem roten Buntstift hat sie die Geschichte über das clevere Mädchen erzählt – und dafür bei der Frankfurter Buchmesse den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten. Für „ich #wasimmerdasauchheißenmag“ von Sarah Michaela Orlivsky gibt es gleich zwei Preise – den österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendbücher im Frühjahr sowie den Preis der Stadt Wien, der Anfang Dezember feierlich überreicht werden soll. Auch hier hat sie mit feinen Tuschezeichnungen der Suche der 15-jährigen Nana nach dem eigenen Stil ein Gesicht gegeben.

Möltgens erstes Buch hieß „Sternenkinder“ – und enthielt Aquarellbilder. „Ich habe es damals mit Rolf Fänger zusammen gemacht“, erzählt Möltgen. Beginn einer Erfolgsgeschichte. Sie „erfand“ den Mondbären, den sie 20 Jahre „betreute“. Danach „war ich froh, etwas Anderes zu machen“. Auch heute liebt sie den Wechsel. Collagen seien sicherlich am anstrengendsten, dafür könne sie bei dieser Arbeit richtig gut abtauchen, „mich hineinsaugen lassen“. Die Arbeit mache so viel Spaß, dass sie stets traurig werde, wenn das letzte Bild naht. Das sei dann so, wie wenn die Mutter das Kind vom Spielplatz abberufe.

Wie gut, dass meist das nächste Projekt vor der Tür steht: Im Moment ist das Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“, das im März erscheinen soll. Hier spielen natürlich Wollfädchen, Stoffreste und Schnittmuster eine große Rolle. Und ihre großartige Collagenkunst.

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