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„Tränen lügen nicht“ — Uniexperten erklären im TalTonTheater, wieso

„Tränen lügen nicht“ — Uniexperten erklären im TalTonTheater, wieso

Zwei Uni-Dozenten haben bekannte Schlagertexte einmal anders betrachtet: nämlich aus literaturwissenschaftlicher Sicht. Ein Vortrag, der beim Publikum gut ankam.

Wuppertal. Die deutschen Schlager gehören zu unserem Liedgut — Texte voller Zeitgeist und Alltagsphilosophie. Zwei Dozenten haben sich bekannten Schlagertexten jetzt auf eine ungewöhnliche Weise genähert: Sie haben sie literaturwissenschaftlich betrachtet. Organisiert von der Goethe-Gesellschaft Wuppertal, sprachen unter dem Motto „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ Madleen Podewski von der Freien Universität Berlin und Stefan Neumann von der Universität Wuppertal im Taltontheater.

... Udo Jürgens, und ... Foto: Archiv

Podewski widmete sich dem Beginn des 20. Jahrhunderts — heraus kam ein unterhaltsamer Abriss der Entwicklung des Schlagers über Kabarett, Operette, Tonfilm bis zur Schallplatte. Dem Thema Liebe und dem Geschlechterkonzept im Schlager näherte Podewski sich auf humorvolle Art und bettete sie in ihren historischen Kontext.

... Bernd Clüver. Foto: Archiv

Dass das Lied „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ aus einer Glanzrevue stammt, wusste kaum einer der Besucher, und der satirische Aspekt im Text von Kurt Tucholsky zu „Zieh dich aus Petronella“ sorgte für viele Lacher. „Ich kenne viele dieser Lieder, aber aus dieser Perspektive habe ich sie noch nicht betrachtet. Toll“, sagte eine Besucherin.

Auch Dozent Stefan Neumann hatte sich amüsante Beispiele ausgesucht, wie den Text zu „Die süßesten Früchte“ von 1954. Das Lied spiegelt die damalige Haltung der Gesellschaft wieder, die zwar Kritik äußert — wie die kleine Ente im Lied, die sich darüber beklagt, dass nur die großen Tiere die süßesten Früchte bekommen — aber keine Veränderungen vornimmt.

Neumann schlug den Bogen über die Einflüsse des Rock ’n’ Roll zu den 1970er-Jahren, die einen eher sozialkritischen Schlager hervorgebracht haben — wie Udo Jürgens mit seinem „Ehrenwerten Haus“. Nicht fehlen durfte ein Blick auf Christian Anders „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“. In seiner nüchternen Art stellte Neumann die Mischung aus abstraktem (dem Zug) und realem (einer Beziehung) dar, versuchte sich an unterschiedlichen Interpretationsansätzen und unterhielt dabei bestens. Es folgte eine humorvolle Betrachtung von „Der Junge mit der Mundharmonika“ von Bernd Clüver oder „Tränen lügen nicht“ von Michael Holm.

Besucher Gert Neumann war begeistert: „ Mir hat es sehr gut gefallen.“