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Thomas Laske tritt am Samstag mit den Wuppertaler Sinfonikern auf

Konzert im Stream : „Der Liedgesang liegt mir sehr am Herzen“

Thomas Laske singt in der Historischen Stadthalle Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ – für das Publikum als Stream zu erleben.

Der Sänger Thomas Laske begeisterte 15 Jahre lang das Wuppertaler Opernpublikum, bis Intendant Kamioka 2014 das Ensemble auflöste. Jetzt ist der Wahl-Wuppertaler als gefeierter Bariton freiberuflich unterwegs. Per Stream ist er jetzt zusammen mit dem Wuppertaler Sinfonieorchester unter der Leitung von Julia Jones zu erleben. Dort geht er mit Gustav Mahlers „Liedern eines fahrenden Gesellen“ auf Wanderschaft. Mit der WZ sprach er über Oper, Liedgesang, seine Vorlieben und einen Heimvorteil.

Sie haben viele Jahre auf der Opernbühne gestanden und waren ein echter Publikumsliebling. Haben Sie sich von der Oper verabschiedet?

Thomas Laske: Ich singe noch immer gerne Opern, doch meist ist es schwierig, sie im Terminplan unterzubekommen. Die Probenzeiten und die Aufführungszyklen an deutschen Häusern sind recht lang. Daher trete ich heute eher im Ausland auf. In Peking habe ich den Grafen Danilo in Lehárs „Die Lustige Witwe“ gesungen. Manchmal singe ich als Einspringer an großen Häusern, wie der  Bayrischen Staatsoper. Hier am Wuppertaler Opernhaus habe ich in den Wiederaufnahmen alter Produktionen wie „Hänsel und Gretel“ oder dem „Barbier von Sevilla“ gastiert.

Im Konzert in der Historischen Stadthalle singen Sie jetzt Lieder über Liebe, Sehnsucht und Hoffnung. Ein Wechselbad der Gefühle von Gustav Mahler.

Laske: Was mich besonders berührt, sind Schmerz, Hoffnungslosigkeit und Hoffnung in diesen Liedern. Es ist immer spannend, sich mit unterschiedlichen Gefühlszuständen zu beschäftigen. Das reizt mich schon sehr.

Sie waren 15 Jahre lang festes Ensemblemitglied bei den Wuppertaler Bühnen. Spüren Sie einen Heimvorteil, wenn Sie nun wieder mit den Wuppertaler Sinfonikern konzertieren?

Laske: Durch meine Frau (Catarina Laske-Trier arbeitet als Solo-Flötistin im Sinfonieorchester) habe ich stets Kontakt zu Orchestermitgliedern und ich besuche als Zuhörer viele Konzerte, aber wir haben seit langer Zeit keine Musik mehr miteinander gemacht. Schon bei den Proben war zu spüren, dass wir uns lange kennen. Ich denke, wir haben einen guten Draht zueinander und es macht viel Spaß, wie wir uns die Bälle zuspielen.

Sie geben besonders viele Konzerte mit Kirchenmusik. Händel, Mendelssohn-Bartholdy und vor allem Bach.

Laske: Die Passionen von Bach sind meine größte Herzensangelegenheit, weil die Musik mich so tief berührt. Meine erste Matthäus-Passion habe ich mit neun Jahren als Mitglied der Hymnus-Chorknaben in Stuttgart gesungen. Wir haben vor allem geistliche Lieder gesungen. So bin ich auch mit der Musik Bachs aufgewachsen und früh mit klassischer Musik in Berührung gekommen. In der Thomaskirche habe ich mit dem Thomanerchor und dem Gewandhausorchester Leipzig sechs Konzerte der Johannespassion singen dürfen. Das waren wunderbare Erlebnisse. Die Tiefe der Musik beeindruckt mich immer wieder. Vor drei Jahren habe ich in der Matthäuspassion unter der Leitung von Enoch zu Guttenberg den Jesus gesungen. In München, Moskau und Madrid, dort saß die spanische Königin im Publikum, hatten wir wunderbare Konzerte und der Dirigent wollte noch viele weitere mit mir zusammen gestalten. Leider ist er kurz darauf gestorben.

Was macht ein freiberuflich tätiger Sänger in der Zeit von Corona?

Laske: Als Sänger hatte ich kaum etwas zu tun, aber zum Glück geht es mir ganz gut. Ich habe die Lehrtätigkeit und meine Frau spielt hier im Sinfonieorchester. Ich habe Zeit für unsere Kinder und ich habe viel am Haus und im Garten arbeiten können.

Sie unterrichten seit 2010 als Dozent für Gesang an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. War das Unterrichten denn möglich?

Laske: Ich bin sehr froh, dass das zurzeit tatsächlich wieder möglich ist. Lange Zeit lief alles nur online.

Kann man sagen, dass Sie von allen Ihren Tätigkeiten den Liedgesang besonders lieben?

Laske: Das ist schwierig zu sagen. Eins ergänzt das andere. Der Liedgesang erfordert besonders feine Nuancen, er ist auch gut für die zarten, leisen Töne. Das ist stimmtechnisch sehr wichtig. Der Liedgesang liegt mir sehr am Herzen.