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Theaterpremiere: Töne muss man nicht hören

Theaterpremiere: Töne muss man nicht hören

Musik kann man fühlen. Die Bühnen beweisen es.

Wupppertal. Dass "Playing from the Heart" am Ende mit weniger lautem Beifall als bei anderen Vorstellungen gefeiert wird, liegt im Foyer des Schauspielhauses nicht etwa daran, dass es dem Publikum nicht gefallen hat. Bei der Premiere sitzen in den Reihen viele gehörlose Menschen. Und die verkünden ihr Wohlgefallen nicht durch lautes Klatschen. Sie applaudieren in Gebärdensprache - indem sie ihre Hände in die Luft recken.

Markus Höller, Theaterpädagoge und Regisseur, widmet sich dem Theaterstück von Charles Way, der das Leben der berühmten Perkussionistin Evelyn Glennie erzählt. Und obwohl das Stück - als sie acht ist, prophezeien Ärzte dem Mädchen, es würde sein Gehör verlieren - sentimentales, gar rührseliges Potenzial hat, kommt der Regisseur in der Umsetzung gänzlich ohne Druck auf die Tränendrüse aus.

Kurzweilig und intensiv lässt er die Schauspieler, allen voran Jessica Sinapi als Evelyn, mit Fingerspitzengefühl und gutem Timing spielen. Den niederschmetternden Prognosen zum Trotz beharrt sie darauf: "Ich werde Musikerin in einem Orchester sein." Denn obwohl nachweislich taub, hört sie Töne und Klänge: "Sie gehen durch mich hindurch." Behindert zu sein und damit aus dem Leben ausgegrenzt zu werden, damit will sich Evelyn nicht abfinden: "Ich bin ich. Und dieses Ich ist eine fest entschlossene Person."

Übergeworfene weiße Kittel machen aus Peter Meinecke und Thorsten-Kai Botenbender Ärzte, eine Schürze verwandelt Sabine Barth in die Mutter: In minimalistischer Ausstattung präsentieren die fünf Schauspieler mit Schlagzeuger Arnie Arnold, der Evelyns Herz darstellt, diese auf mehreren Ebenen spielende Geschichte. "Sie ist ein fest entschlossenes Mädchen. Das wird ihr noch helfen", beschreibt der Vater (Guido Grollmann) seine Tochter - und behält Recht.

Am Ende erlebt Evelyn den Augenblick, auf den sie ihr Leben lang gewartet hat: Sie steht als Perkussionistin auf der Bühne. Und es gibt niemanden, der von der Premiere, für gehörlose Zuschauer von zwei Gebärdensprachlerinnen übersetzt, nicht bewegt ist.

Die 70-minütige Inszenierung ist wieder am Freitag und am 29.und 30. November (letzte Vorstellung), jeweils 11 Uhr, zu sehen. Karten: Telefon 5694444.