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Theater um die Diva und den Schmerzensmann

Theater um die Diva und den Schmerzensmann

„Gretchen 89ff.“ im Kammerspielchen.

Wuppertal. „Am Golde hängt’s, zum Golde drängt’s doch alle — das kotzt du den Abo-Schweinen so richtig auf die Jacke!“, fordert der „Schmerzensmann“, nur einer von vier Regietypen, die Karlheinz Angermeyer im Kammerspielchen zum Besten gibt. Angermeyer inszenierte auch gleich selbst: Er stellte am Freitagabend das Theater-Kabarett „Gretchen 89ff.“ von Lutz Hübner vor.

Es gibt Theater im Theater: Anhand der „Kästchen-Szene“ als Probenszene aus Goethes „Faust“ erhält das Publikum an der Westkotter Straße Einblicke hinter die Kulissen. Da gibt es zum Beispiel Schauspielerinnen-Typen wie „Die Anfängerin“ und „Die Diva“: Während Erstere sich enthusiastisch — jedoch ungern ohne Knieschoner — auf die Bühne schmeißt, „um mal was anzubieten“, haben vor Letzterer alle Kollegen zu knien.

Wandlungsfähigkeit ist denn auch das, was von Kalrlheinz Angermeyer und Mitspielerin Karin Punitzer gefragt ist — und im Zusammenspiel wunderbar funktioniert. Der „Schmerzensmann“ dürfte im Spiel durchaus noch etwas mehr „Fleisch“ haben, dafür sind der Bonbon lutschende „alte Haudegen“, der von alten Zeiten schwärmt und dies mit nicht enden wollenden Anekdoten kundtut, statt zu proben, sowie das wienernde „Tournee-Pferd“, das gerne mit Schauspielerinnen flirtet, zwei der Höhepunkte des Abends.

Punitzer wiederum wirkt hin und wieder etwas aufgesetzt, überzeugt aber nach der Pause vor allem bei ihrer Darbietung der Schauspielerinnen-Typen.

Das Publikum war am Freitagabend jedenfalls zufrieden — und honorierte den Einsatz mit Szenen- und lautem Schlussapplaus. Karten für die nächsten Vorstellungen am 8. und 9. Juni, jeweils 20 Uhr, gibt es unter Telefon 946 9920.