1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Theater mit viel Gefühl: Ben liebt Anna – und rennt davon

Theater mit viel Gefühl: Ben liebt Anna – und rennt davon

Das Kinder- und Jugendtheater bringt Peter Härtlings Erfolgsroman auf die Bühne. Erzählt wird eine bewegende Liebesgeschichte.

Wuppertal. Ein seliges Lächeln zieht sich über Bens Gesicht. Solange er allein ist. Trifft er sich jedoch mit seiner Angebeteten, steckt er die Hände ganz tief in die Hosentaschen, schweigt und schaut in die andere Richtung.

"Ben liebt Anna" heißt das neue Stück des Kinder- und Jugendtheaters und ist eine Bühnenadaption des beliebten Jugendbuches von Peter Härtling. Matthias Witting hat eingängige Songs mit einem großen Gänsehaut-Faktor verfasst und Eva Blum das Stück geschickt für die Bühne eingerichtet.

Wunderbar ist wieder das Bühnenbild von Laurentiu Tuturuga: Aus der pastellfarbenen, verschiebbaren Eckwand können verschiedene surreal geformte Teile herausgenommen werden. Sie dienen als Sitzmöbel, Gartenelemente oder Tisch. Mal formen die Stücke das Klassenzimmer, mal das Heim von Ben oder die enge Behausung von Anna.

Die abgenutzte Ledertasche an sich gepresst - so steht Anna (Elvin Karakurt) vor den Schülern. Ihr knielanger Rock wirkt altmodisch und die anderen Schüler sind richtig fies zu ihr. Sie machen dumme Sprüche, hänseln die Neue aus Polen, schließen sie aus. Ben (Robert Flanze) ist hin und hergerissen. Einfach so stiehlt sich das seltsame Mädchen immer wieder in seine Gedanken. Trotzig wirft Ben den Ball an Annas Kopf, presst dann aber doch ein kurzes "Ich mag Dich" hervor und rennt davon.

Ein bisschen älter hat der Regisseur die beiden im Vergleich zum Roman gemacht. Schreibt Härtling von Achtjährigen, sind es bei Tobias Wessler nun die Achtklässler, die zum ersten Mal Schmetterlinge im Bauch erleben. "Die Schauspieler müssen das Gefühl zumindest mal erlebt haben", sagt Wessler.

Sehr schön werden die einzelnen Gruppen gegeneinander ausgespielt: Die Jugendlichen, die kein Erbarmen kennen und dem lautesten Schreier folgen, gespielt von Sabine Ries, Miriam Wunder, Daniel Nosbüsch und Lukas Werner. Die Erwachsenen, die die aufkeimende Liebe süß finden, den Problemen und Nöten aber völlig hilflos gegenüber stehen. Und die kleine Schwester von Anna (Linn Welbers), die wissen will: "Wie lange dauert es, bis man verliebt ist?"

An den einen Stellen lachen die Eltern im Publikum, an den anderen die Kinder. Wunderbar spielen Flanze und Karakurt das junge Paar mit den vielen widersprechenden Gefühlen. Gespiegelt wird das Ganze in einer Romanze des Klasslehrers Herr Seibmann (Dieter Marenz) mit Frau Schmalz-Grübchen (Silke Welbers). Am Schluss gibt es zwar kein Happy End, aber eine echte Liebeserklärung.