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Teufelsbratscher Nils Mönkemeyer spielt in der Stadthalle

Teufelsbratscher Nils Mönkemeyer spielt in der Stadthalle

Der Musiker Nils Mönkemeyer spielt am Sonntag in der Reihe „Saitenspiel“ in der Stadthalle.

Wuppertal. Die Bratsche ist die größere Schwester der Geige, stand aber lange in ihrem Schatten. Nils Mönkemeyer (36) gelang dennoch in kurzer Zeit eine internationale Solisten-Karriere. „Teufelsbratscher“ und „Popstar der Klassik“ wird er nun genannt.

Warum gelten Bratscher als Witzfiguren — langsam und schwer von Begriff?
Nils Mönkemeyer:
Das weiß ich eigentlich auch nicht. Aber schon in der Barockzeit hat man wohl Geigern, die faul waren, gesagt: Dann gehen Sie doch zur Bratsche.

Ist Bratsche denn leichter?
Mönkemeyer:
Ja und nein. Auf der Geige hat man kürzere Wege, da kann man leichter virtuos spielen. Die Bratsche braucht mehr körperlichen Einsatz, sie ist größer, die Saiten sind dicker — all das kommt der Intensität der Musik zugute. Wenn ich jetzt spaßeshalber noch mal auf der Geige spiele, staune ich über meine schnellen Finger.

Sie haben ja lange Geige gespielt.
Mönkemeyer:
Ja, ich war ein stolzer Geiger, habe mit sieben Jahren angefangen zu spielen. Aber mit 15 Jahren gab es diesen Abend beim Jugendorchester, es gab auch ein bisschen Rotwein — sonst hätte ich ja eine Bratsche nie angefasst. Aber als ich sie dann hielt, dachte ich: „Boah, das ist es.“ Es war, als wäre das Instrument Teil meines Körpers, das war bei der Geige eben nicht so. Die Bratsche passt zu meinen großen Händen, sie passt zu meinem körperlichen Spiel.

Sie geben 100 Konzerte im Jahr, sind 300 Tage unterwegs. Sie haben aber auch eine Professur in München. Wie bringen Sie Ihre Schüler noch zeitlich unter?
Mönkemeyer:
Ich habe eine halbe Professur — das sind sechs Schüler, die Einzelunterricht bekommen. Die sind gut damit zu vereinbaren. Ich liebe es zu unterrichten: Es geht nur um Musik, gemeinsam mit dem Schüler, versuche ich, das Beste aus ihm herauszuholen. Ich lerne dabei genauso so viel wie er. Aber ich bin auch streng.

Jugendliche werden heute vielfältig beschallt. Hat die Klassik, die ein intensiveres Zuhören verlangt, da noch eine Chance?
Mönkemeyer:
Vielleicht ist es ein längerer Prozess, bis manche zur Klassik finden. Jüngere Leute stehen im Arbeitsmarkt in einem harten Wettbewerb, sind immer erst spät zu Hause — kein Wunder, dass sie in der Woche keine Energie haben, ins Konzert zu gehen. Ich weiß auf der anderen Seite aber auch nicht, was verkehrt daran sein soll, wenn jemand mit 60 Jahren ins Konzert geht.