Tanztheater Pina Bausch Sieben Tänzer und zwei Schauspieler proben Aufführung von Pinas Macbeth

Tanztheater startet in die neue Spielzeit – mit Covid 19-Tests und Quarantäne der Akteure.

 Szene der Aufführung von 2019 mit Johanna Wokalek.

Szene der Aufführung von 2019 mit Johanna Wokalek.

Foto: Uwe Stratmann

Sie haben sich in der letzten Woche auf Covid-19 testen lassen, weitere Tests werden folgen. Und sie haben sich in  freiwillige Quarantäne begeben. Sieben Tänzer und zwei Schauspieler proben seit dieser Woche gemeinsam Pina Bauschs Version von Macbeth („Er nimmt sie an der Hand und führt sie in das Schloß, die anderen folgen“) im Foyer des alten Schauspielhauses an der Kluse. Das Tanztheater Wuppertal ist wieder da – bereitet sich auf eine Aufführung mit Publikum vor. Die erste, seit die Coronakrise den Lockdown brachte. Mit einem Stück, das schon zuvor auf der Agenda für die Spielzeit 2020/21 stand.

In den letzten Monaten schien alles unmöglich. Tanzen ohne Berührung - geht nicht. Pina Bauschs Stücke an coronabedingte Ab- und Umstände anpassen - geht nicht.  1978 schuf die weltbekannte Choreografin auf Einladung des Theaterregisseurs Peter Zadek ihr Stück über William Shakespeares Königstragödie. Das Stück war eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum und wurde zu einem Schlüsselwerk im Schaffen der Künstlerin.

Weniger tänzerisch, dafür  viel Sprache und entfernte Aktion

Es sei weniger tänzerisch, dafür viel Sprache und viele Stellen, wo entfernt von einander agiert werde, schließlich gehe es um Macht, und wie einsam sie Menschen macht, so Intendantin Bettina Wagner-Bergelt. Kommt aber nicht ohne Nähe, Berührungen aus. Hat eine Länge von dreieinhalb Stunden und eine Pause. Was in Coronazeiten auch auf Zuschauerseite besondere Schutzmaßnahmen erfordert. Vom Sitzen mit Abstand, über den getrennten Zugang in die Oper und den  Pausenaufenthalt in vorgebebenen Bereichen bis hin zur Erfassung der  Personendaten und dem Tragen der Nase-Mundschutzmasken bis zum Platz.

Abstand  halten und Masken im Gesicht tragen können Jonathan Fredrickson, Tsai Wei-Tien, Stephanie Troyak, Julie Shanahan, Oleg Stepanov, Julian Stierle und Michael Strecker vom Ensemble sowie die Schauspieler Johanna Wokalek und Maik Solbach, die als Gäste (wie schon bei der Wiedereinstudierung 2019) dabei sind, nicht. Aber sie verzichten auf andere soziale Kontakte. Außerdem wurden die Hygieneschutzmaßnahmen  intensiviert, es wird immer wieder desinfiziert und gelüftet. Selbst der Physiotherapeut des Tanztheaters kümmert sich derzeit nur um diese Gruppe.

Während die anderen Compagniemitglieder in der Lichtburg verschiedene Stücke proben. Wo es enger ist, die Gruppen kleiner, die Reinigungstaktung dafür ebenfalls angezogen wurde.  Tanztheater-Sprecherin  Ursula Popp erklärt: „Das alte Schauspielhaus mit den sehr großzügig angelegten Räumlichkeiten ist da ideal.“

„Gut, dass es wieder losgeht“, spricht Johanna Wokalek wohl allen aus dem Herzen. Los bedeutet an diesem Probentag zunächst gemeinsames Filmanschauen. Auf dem großen Monitor neben dem Probenleitungstisch werden die letzten Minuten des Stücks vor der Pause abgespielt. Josephine Ann Endicott und Hans Dieter Knebel, die beide zur Besetzung der Uraufführung gehört hatten, leiteten die Neueinstudierung 2019. Sie sind auch diesmal dabei, werden vom langjährigen Tanztheatermitglied Franko Schmidt unterstützt, beobachten, machen sich Notizen, unterstützen. Nach einigen Minuten Zuschauens, Lockerungsübungen, kleiner Absprachen, inneren Durchspielens einzelner Sequenzen und Stühlerückens - schließlich spielt das Stück in einer chaotischen, vornehmlich aus Sitzmöbeln bestehenden Kulisse - wird der erste Teil des Stücks in einem durchgespielt. Präzise, emotional, erschöpfend. Macbeth mordet den Schlaf, Kinderweisen geben weder Trost noch Halt. Das Spiel um Annäherung und Wegstoßen, Vertrauen und Isolation, Frieden und Tod, Sicherheit und Verzweiflung hat nichts von seiner Beklemmung verloren. Es nimmt gefangen, lässt vergessen, dass gerade eine Pandemie die Menschen bedroht. Oder erinnert in seiner hysterischen Beklemmung (schließlich geht es um Shakespeare) genau daran.

Premiere ist am 3. September im Opernhaus Wuppertal. Es folgen drei weitere Termine. Danach will das Tanztheater entscheiden, ob die Karten für das nächste Stück im November in den Vorverkauf gehen. Oder ob der „Präzedenzfall Macbeth“ eine Änderung im angedachten Spielplan erfordert.

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